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FR-üh dran: Siko-Proteste in München – chaotisch, widersprüchlich und wertvoll wie nie

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14.02.2026

FR-üh dran: Siko-Proteste in München – chaotisch, widersprüchlich und wertvoll wie nie

Stand: 14.02.2026, 06:34 Uhr

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Während die Mächtigen der Welt über Kriege beraten, gehen mehr Menschen denn je auf die Straße. Die Münchner Innenstadt wird zum Schauplatz.

FR-üh Radar – das steht heute an: Am Samstag (14. Februar) verwandelt sich München in eine Protestlandschaft der Superlative. Während im Hotel Bayerischer Hof 65 Staats- und Regierungschefs zur 62. Münchner Sicherheitskonferenz zusammenkommen, werden zeitgleich über 120.000 Menschen in der bayerischen Landeshauptstadt erwartet. 21 Protestmärsche sind angemeldet – von traditionellen Anti-Siko-Demos bis zu Solidaritätsbekundungen mit der Bevölkerung des Iran. Lesen Sie hier, was heute in München passiert und liefern Argumente für die politische Debatte in der Kaffeeküche..

Wir erklären Ihnen, wie es dazu kam: Die Siko ist seit jeher Magnet für Proteste. Den vorläufigen Höhepunkt erreichte der Widerstand im Jahr 2003. Damals gingen 35.000 Menschen in München auf die Straße, um gegen den drohenden US-Einmarsch im Irak zu protestieren. Der wurde knapp ein Monat nach der Siko bittere Realität. Die Gründe für Proteste sind vielfältig: ob Ukraine- oder Israel-Krieg, ob deutsche Außen- oder Aufrüstungspolitik. In diesem Jahr gesellt sich ein weiterer Grund für Protest im Rahmen der Siko dazu: der Kampf gegen das Mullah-Regime im Iran. Laut Veranstaltern werden am heutigen Samstag auf der Theresienwiese bis zu 100.000 Menschen erwartet, die ihre Solidarität mit der iranischen Bevölkerung zum Ausdruck bringen und Freiheit für den Iran von Theokratie und Diktatur fordern. Eingalden ist auch der iranische Oppositionsführer Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs.

Hier erfahren Sie, worum es geht, worauf es ankommt und woran es hängt: In den vergangenen Jahren hatte der Protest gegen die Siko in München immer weiter abgenommen. Dieses Jahr aber soll das anders werden. Das liegt vor allem an der Solidaritätsdemo für den Iran. und ihren mutmaßlich 100.000 Teilnehmer:innen. Der Münchener Abendzeitung zufolge sollen die „mit Flugzeugen und Bussen aus ganz Europa“ anreisen. Daneben werden die traditionellen Anti-Siko-Demos durch die Münchener Innenstadt ziehen. Angesichts der thematischen Vielfalt und der schieren Masse steht die Polizei in der bayerischen Landeshauptstadt vor einer großen Herausforderung. 5000 Beamt:innen aus Deutschland werden im Einsatz sein, erstmals unterstützt von internationalen Kolleg:innen aus Österreich, der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Espresso-Argumente für die Kaffeeküche

Mit diesen Argumenten punkten Sie bei der politischen Debatte in der Kaffeeküche:„Demonstrationen stören nur die wichtige Arbeit der Politiker“ – Proteste sind ein demokratisches Korrektiv zu einer Konferenz, die weitgehend hinter verschlossenen Türen stattfindet. Auf der Siko wird über Kriege und Aufrüstung beraten; die Demonstrant:innen bringen die Perspektive derjenigen ein, die die Kosten dieser Politik tragen müssen.

„Proteste bringen doch eh nichts“ – Es geht weniger um Wirkung und mehr um die Symbolik beim Siko-Protest. Die diesjährige Mobilisierung zeigt wie stark das Bedürfnis der Menschen nach politischer Teilhabe ist. Der Siko-Protest sendet so ein Signal an die Politik für mehr Frieden und gegen die massive Aufrüstung weltweit.

FR-üh dran – die Lage am Morgen

In unserer Kolumne informieren wir Sie jeden Morgen über den wichtigsten Termin des Tages. Wir fassen zusammen, was ansteht, wie es dazu kam und was daraus folgt. Darüber hinaus bereiten wir Sie als unsere FR-Leser:in mit Argumenten auf die politische Debatte in der Kaffeeküche, am Mittagstisch und auf dem Schulhof vor.

Auf unserer Themenseite finden Sie alle Ausgaben von „FR-üh dran - die Lage am Morgen“ in der Übersicht und noch mehr gute Gründe, warum „FR-üh dran“ zu Ihrem täglichen Morgenritual werden sollte.

Sie sind anderer Meinung, Ihnen fehlen Argumente oder Sie haben ein Thema, dem wir uns in der Kolumne annehmen sollen? Dann schreiben Sie uns oder diskutieren Sie mit in der Kommentarspalte unter diesem Artikel.

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Lesen Sie hier schon heute, was als Nächstes passieren wird: Während auf der Theresienwiese in München gegen das Mullah-Regime protestiert wird, wird auf der Siko selbst die Rede von Marco Rubio erwartet. Gut möglich, dass der US-Außenminister den Konflikt seines Landes mit dem Iran ansprechen wird. US-Präsident Donald Trump hatte der Regierung in Teheran mehrfach mit Militärschlägen gedroht, sich dann aber zu Verhandlungen bereit erklärt.

Verbündete, Feinde und Alternativen zum Mullah-Regime im Iran

Wenn auf der Theresienwiese heute „Nieder mit dem Mullah-Regime“ gerufen wird, skandieren Friedensaktivist:innen am Stachus „Keine Intervention im Iran“. Die einen fordern westliche Unterstützung für den Sturz der Teheraner Führung, die anderen lehnen jede imperialistische Einmischung ab. Dazu kommen noch Demos für die Ukraine, gegen die NATO und für mehr Demokratie – alles zeitgleich, alle gegen die Siko, aber mit völlig gegensätzlichen Forderungen. Das ist der Widerspruch des Protests: Er vereint Menschen, die sich sonst politisch spinnefeind wären. Aber genau das macht ihn wertvoll. Denn während sich die Demonstrant:innen über Lösungen streiten, sind sie sich in einem Punkt einig: Die selbsternannten Weltlenker im Bayerischen Hof sollen nicht allein über Krieg und Frieden entscheiden. Demokratie ist manchmal chaotisch – aber immer noch besser als die sterile Technokratie hinter Panzerglas.


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