Rassismus in Deutschland wächst, doch der Widerstand auch
Rassismus in Deutschland wächst, doch der Widerstand auch
Stand: 20.03.2026, 19:38 Uhr
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Rassismus in Deutschland ist längst Alltag geworden. Die Gesellschaft steht vor einem demokratischen Stresstest. Es geht um ihre Werte. Der Leitartikel.
Da ist dieser berühmte Satz: „Nicht alles, womit man konfrontiert wird, kann geändert werden, aber nichts kann geändert werden, bevor man sich ihm nicht stellt.“ Geschrieben hat das 1962 James Baldwin, der schwarze US-Bürgerrechtler.
Mehr als ein halbes Jahrhundert später: Der Mord an George Floyd war ein solcher Moment der Konfrontation. Nach dem Tod des Afroamerikaners 2020 in Minneapolis gingen Millionen Menschen auf die Straße – auch in Deutschland. Black Lives Matter! Plötzlich wurde auch über deutsche Verhältnisse: über Racial Profiling, Alltagsrassismus, strukturelle Ungleichheit.
Sechs Jahre nach George Floyd: Was ist von diesem Moment geblieben?
Für einen Moment gab es die Hoffnung, dass Baldwin recht behält – dass Konfrontation tatsächlich Veränderungen erzwingt. Sechs Jahre später stellt sich nicht nur am heutigen Internationalen Tag gegen Rassismus die Frage: Was ist von diesem Moment geblieben?
Migration ist zur Dauerkrise erklärt worden. Gleichwertigkeit wird zur Verhandlungssache degradiert. Was früher ein Tabubruch war, ist heute Teil politischer Programme, auch bei den Parteien der Mitte. Der Aufstieg der AfD ist Ausdruck dieser Verschiebung im gesellschaftlichen Bewusstsein und politischen Handeln.
Diskurs um Rassismus hat sich verändert – Deutschland ist im Stresstest
Der Diskurs hat sich verändert – und mit ihm die gesellschaftlichen und politischen Maßstäbe. Das alles ist nicht abrupt passiert, sondern schleichend. Zahlen und Erkenntnisse des Bundeskriminalamts und der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigen die Realität hinter der Rhetorik: Rassistische Einstellungen, offene Diskriminierungen und tätliche Angriffe sind weit verbreitet. Die Zahl rechts motivierter Straftaten steigt seit Jahren an. Rassismus in Deutschland ist keine Randerscheinung, sondern Alltag. Davon betroffen sind alle People of Color.
Deutschland ist im Stresstest. In einer existenziellen Versuchsanordnung, die zeigen wird, wie belastbar unsere demokratischen Prinzipien sind. Ob Gleichheit und Menschenrechte auch unter Druck Geltung beweisen – oder nur, solange sie nicht auf dem Prüfstand stehen. Zum Beispiel wenn es um Vertreibungspläne geht oder die sich stetig verschärfende Asylpolitik.
Werte beweisen sich im Konflikt. Und zum Szenario des Stresstests gehört deshalb auch die andere Seite: Dass die Black Lives Matter-Proteste tatsächlich ein Momentum waren, das etwas verändern konnte. Dass die brutale Konfrontation mit einer Ideologie der Ungleichheit durchaus zum Umdenken führte.
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Der Widerspruch bleibt und der politische Diskurs verschiebt sich weiter
Rassismus wird zunehmend benannt. Die Sichtbarkeit für Betroffene und ihre Belange ist deutlich gestiegen. Auch bestehen Opfer selbstbewusster auf ihren Rechten und fordern sie häufiger ein. Bei kriminellen Delikten wirken rassistische Motive strafverstärkend. Struktureller Rassismus ist kein Fremdwort mehr, sondern Teil intensiver Debatten, die zu Reformen in Institutionen führen. Zudem gibt es eine wache, gut vernetzte Zivilgesellschaft, und NGOs wie Pro Asyl oder die Amadeu-Antonio-Stiftung sind deutlich hörbare Stimmen.
So bleibt der Widerspruch: Während auf der Straße noch „Black Lives Matter“ gerufen wurde, verschob sich gleichzeitig der politische Diskurs ins Gegenteil. Während Diskriminierung stärker ins Bewusstsein rückt, wird Migration härter reguliert. Während der Widerstand gegen Rassismus wächst, wächst auch der Rassismus.
Das heißt: Wir sind ein Land, das bereits einiges gelernt hat. Aber mitnichten keines, das mit sich zufrieden sein kann. Und alle wissen – auf dem Prüfstand kann es zu Zerreißproben kommen. Der Stresstest läuft.
