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Spielzeug für Erwachsene?

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Der Kleine Playmobil-Prinz : Spielzeug für Erwachsene?

Nach Römern, Ägyptern, Wikingern und Galliern, nach Thomas Mann und Theodor Fontane bringt Playmobil jetzt den „Kleinen Prinzen“ als Spielfigur heraus. Passt das zusammen? Und wer soll das eigentlich kaufen?

Zwei Meldungen zur Spielzeugfirma Playmobil erreichten uns in der letzten Zeit. Die eine besagt, dass das fränkische Unternehmen sein Werk in Dietenhofen mit 350 Angestellten schließen und das Gelände vermieten will. Die andere, dass die Firma künftig den „kleinen Prinzen“ aus Antoine de Saint-Exupérys Roman als Spielfigur anbieten wird.

Der Rückgriff auf das zarte Buch von 1943 zeigt, wohin sich die Firma entwickelt hat, seit 1974 die ersten Figuren auf den Markt gekommen sind: Damals war nicht nur alles miteinander kombinierbar, sodass je nach Zubehör aus dem Ritter ein Native American wurde oder ein Bauarbeiter, während der kleine Kunststoffprinz in etwa so aussieht wie die Vorlage mitsamt dem charakteristischen Schal.

Bier ist noch genug da

Auch in ihrer Weltdeutung hat sich für die Playmobilstrategen seit 1974 einiges getan. Damals zeigte die Werbung noch zwei Bauarbeiter (rot-weiß gestreiftes Käppi, Warnweste), der eine stehend, der andere auf einer umgekippten Bierkiste sitzend, jeder mit einer grünen Flasche in der Hand. Das sei nun schon seine fünfte, sagt der eine, und der andere: „Macht nichts, es ist genug Bier da.“

Von dahin ist es ein weiter Weg zu „Man sieht nur mit dem Herzen gut“, den die Firma allerdings schon vor einiger Zeit eingeschlagen hat. Die Themen, zu denen sie Figuren, Häuser, Fahrzeuge und mehr anbietet, orientieren sich längst nicht mehr am Alltag oder der Vorstellung davon, wie es auf einer Baustelle zugeht. Historische Epochen wie die Zeit der Römer, der Ägypter, der Wikinger oder der Frühmenschen werden ebenso zum Hintergrund von Playmobil-Produkten wie phantastische Stoffe um Drachen und andere Monster – von den Figuren der „Asterix“-Serie ganz zu schweigen.

Dabei entfernen sich die Welten immer weiter voneinander, vom raschen Wechsel der Identitäten ist längst keine Rede mehr, und wo man Nachbildungen von Martin Luther, Thomas Mann, Theodor Fontane oder auch einer gewissen, im 16. Jahrhundert wirkenden Maria von Jever kaufen kann, wird Playmobil zu einer Sache für Spezialisten, die mit den Figuren aufgewachsen sind und sich nun im reiferen Alter an der Versöhnung von Hochkultur und Spielzeug freuen.

Geblieben ist den Figuren allerdings der halbmondförmige Mund, der sich als überraschend vieldeutig erweist: So wie in der Playmobil-Serie zur griechischen Mythologie Patroklos seinen Freund Achill anlächelt, kann man an der Liebe der beiden nicht zweifeln.

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Und auch die Serie um den kleinen Prinzen, von der außer der Titelgestalt noch weitere Figuren angekündigt sind, könnte überraschend an die Bauarbeiter der Frühzeit anknüpfen: Schließlich besucht der Weltraumreisende bekanntlich auch den Planeten mit dem aufgeschwemmten Säufer, der trinkt, um seine Scham wegen seines Trinkens zu vergessen. Auf die markteinführende Werbung darf man gespannt sein.

Tilman SpreckelsenRedakteur im Feuilleton.

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