Dienst an der Gemeinschaft
Ferienspiele : Dienst an der Gemeinschaft
Urlaub fernab der Heimat ist für viele Menschen normal und gesetzt. Aber nicht jeder kann sich das leisten. In solchen Fällen zeigt sich der Wert von Ferienspielen.
New York, Rio, Tokio? Malle, Malediven oder vielleicht München? Wer sich im Sportverein über die Urlaubspläne unterhält oder Jugendlichen im Bus zuhört, weiß: Ferien mehr oder weniger fern der Heimat sind für viele Familien völlig normal und gelten als gesetzt. Wer über das notwendige Budget verfügt, lässt sich auch für ein paar erholsame oder aufregende Tage ins Ausland fliegen. Pauschalangebote und Billigflieger machen es möglich. Das war über die Osterfeiertage nicht anders, als es im Sommer war oder zu anderen Ferienzeiten wieder sein wird. Das ist aber bestenfalls die halbe Wahrheit.
Denn auch in unserer Wohlstandsgesellschaft kann sich längst nicht jeder die zwei Urlaubsreisen im Jahr gönnen, die statistisch als Mittelwert gelten. Von Fernreisen ganz zu schweigen. Fehlendes Geld ist ein Grund. Doch nicht immer muss die Kassenlage die Ursache sein. Wenn die Eltern nicht gleichzeitig Urlaub bekommen, erledigt sich die Reise von selbst. Wenn sie gar keine freien Tage nehmen können, gilt das ohnehin. In solchen Fällen zeigt sich der Wert von Ferienspielen, zumal schulpflichtige Kinder betreut werden müssen, so die Eltern ihren Nachwuchs nicht guten Gewissens einen Großteil des Tages sich selbst überlassen können.
Ferienspiele als gelebter Gemeinsinn
Beispiel Münzenberg: In der Stadt am Nordrand der Wetterau bot sich an den sogenannten Osterfez-Tagen ein im Wortsinne buntes Programm für Kinder und Jugendliche. So bauten Mädchen und Jungen unter anderem Nistkästen für Vögel und Murmel-Labyrinthe. Sie durften sich in der Reithalle im Voltigieren üben. Wer mochte, konnte den Tennisschläger schwingen oder in die „Fallschule“ gehen, so nennt sich eine Judo-Schnupperstunde. Graffiti-Fans konnten selbst die Sprühdose in die Hand nehmen und in der Gruppe ein Motiv nach eigener Wahl gestalten. Nebenbei lernten sie, was in Sachen Graffiti im öffentlichen Raum erlaubt ist und was nicht. Auch einen Handarbeitskurs gab es, als „Nadel-Magie“ beworben.
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Alles in allem konnten die Schüler aus 26 Angeboten wählen, und das in einem 5600-Einwohner-Städtchen. 103 Mädchen und Jugendliche nahmen teil, viele von ihnen an mehreren Kursen. Für die Betreuung sorgten bei der Hälfte der Angebote Vereine. Bei den anderen Kursen übernahm das die Stadt trotz angespannter Haushaltslage. Auf diese Weise gelingen Ferienspiele als gelebter Gemeinsinn.
Thorsten WinterKorrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.
