Machtwillen sieht anders aus

Kandidatur für den Vorsitz : Machtwillen sieht anders aus

Dürr knickte ein, Strack-Zimmermann wollte nur mit Doppelspitze, Kubicki wirft seinen Hut erst jetzt in den Ring. Was in der FDP fehlt.

Die Castingshow für den FDP-Vorsitz zeigt vor allem eines: Dieser Partei fehlt es an Politikern mit dem unbedingten Willen zur Macht. Der wäre angesichts des derzeit nur äußerst bedingten Willens zur Wahl der FDP nötiger denn je. Dem Vorsitzenden Christian Dürr, der zurücktrat, abermals kandidieren wollte und einknickte, als Wolfgang Kubicki seinen Hut in den Ring warf, darf man einen solchen Willen getrost absprechen.

Kann die FDP wirklich auf „alte Schlachtrösser“ verzichten?

Auch Marie-Agnes Strack-Zimmermanns Ankündigung, sich zu bewerben, aber nur für eine Doppelspitze, war eine mit Netz und doppeltem Boden. Dass nun der 74 Jahre alte Wolfgang Kubicki nach dem Vorsitz greift, der vor einiger Zeit noch kundtat, er wisse, dass er nicht die Zukunft der Partei sei, zeugt auch nicht eben von wilder Entschlossenheit.

Kubickis Selbsteinschätzung stimmt zweifellos auch heute noch. Er wäre nur eine Übergangslösung. Aber ob die Liberalen tatsächlich auf solche „alten Schlachtrösser“ verzichten können, wie Strack-Zimmermann ätzte, ist nicht ausgemacht. Wo sind die jungen profilierten FDP-Politiker?

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Andererseits ist klar: Der neue Vorsitzende hat vor allem eine Aufgabe: Die Partei wieder in den Bundestag zu führen. Die Bundestagswahl aber ist erst in knapp drei Jahren. Das spielt Kubickis 35 Jahre jüngerem Mitbewerber Henning Höne in die Karten. Wer auch immer Vorsitzender wird: Ein Gutes hat das Ganze für die FDP schon jetzt – und das ist keine Ironie mehr: Es beschert ihr Aufmerksamkeit.

Thomas JansenRedakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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