Der Chef von Pro Sieben Sat.1 muss gehen. An seine Stelle rückt jemand, der vorher Chef der RTL Group war: Rainer Beaujean raus, Bert Habets rein. Damit steht der Fusion der beiden großen deutschen Privatsendergruppen, die der Bertelsmann- und RTL-Group-Chef Thomas Rabe im Gespräch mit der F.A.S. schon im Februar angesprochen hatte, nichts mehr im Wege, oder?

Das wäre eine Phalanx: Pro Sieben, Sat.1, Kabel eins, Sixx, Pro Sieben Maxx, Sat.1 Gold, Kabel eins Doku, RTL, RTL zwei, Super RTL, RTL Nitro, RTL Plus, n-tv und Vox. Nehmen wir die Streamingplattformen Joyn und RTL+ hinzu, ergäbe das einen Herausforderer „Made in Germany“, der Giganten wie Amazon, Netflix, Apple oder Disney Paroli böte.

Doch daraus wird nichts, solange das Bundeskartellamt bei derlei Plänen nur auf den „nationalen“ Markt und ins rumgedrehte Fernrohr schaut: Aus der Perspektive erscheinen die international wirkenden Megakonzerne dann plötzlich klein, die hiesigen Unternehmen wirken riesig, RTL und Pro Sieben Sat.1 würden vom Duopol zum Monopol.

Der bisherige Pro-Sieben-Sat.1-Chef Beaujean hatte abgewinkt, sobald das Thema aufkam. Sein Nachfolger müsste Wunder bewirken, wollte er an der Stelle etwas ändern.

Und präpariert erscheinen die beiden Privatsendergruppen ohnehin nicht. Pro Sieben Sat.1 ist im linearen Fernsehen seit Langem auf dem absteigenden Ast, die Plattform Joyn läuft mittelprächtig, der Aktienkurs ist abgesoffen, und im Kreis der Gesellschafter macht Berlusconis Konzern „Media for Europe“ (früher Mediaset) Anstalten, sich die Gruppe einzuverleiben. Und da geht der Vorstandsvorsitzende Beaujean, der als solcher bei Pro Sieben Sat.1 erst im Januar dieses Jahres angefangen hatte, wie es immer so schön heißt, „in gegenseitigem Einvernehmen“.

Bei RTL wiederum hat der Bertelsmann-Boss Rabe im Zuge der digitalen Transformation, die alle Medienhäuser bewältigen müssen, ein veritables Führungschaos angerichtet. Der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr ist mit RTL fusioniert worden, dann gab es zwei Chefs für das neue, große Zeitschriften- und Sender- und Plattformgeschäft von RTL in Deutschland. Einer der beiden – Stephan Schäfer, der zuvor bei Gruner + Jahr das Szepter geführt hatte – bekam vor erst sechs Wochen die Papiere. Seinen Job macht der Bertelsmann-RTL-Babo Rabe seither auch noch. Gerade hat er verkündet, die Zeitschriften von Gruner + Jahr würden einer „Portfolio-Prüfung“ unterzogen. Das heißt so viel wie: Was zu RTL passt, bleibt, alles andere fliegt raus. Wollen wir uns da vorstellen, dass der eine Laden, in dem es scheppert, mit dem anderen, in dem es knallt, zusammengeht?

Mehr zum Thema

1/

Früherer RTL-Chef übernimmt : Beaujean verlässt ProSiebenSat.1

Streaming-Plattform : ProSiebenSat.1 will Joyn komplett übernehmen

ProSieben und Sat.1 : Das Schweigen der Fernsehbarone

QOSHE - Plattgeformt - Michael Hanfeld
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close
Aa Aa Aa
- A +

Plattgeformt

6 3 0
04.10.2022

Der Chef von Pro Sieben Sat.1 muss gehen. An seine Stelle rückt jemand, der vorher Chef der RTL Group war: Rainer Beaujean raus, Bert Habets rein. Damit steht der Fusion der beiden großen deutschen Privatsendergruppen, die der Bertelsmann- und RTL-Group-Chef Thomas Rabe im Gespräch mit der F.A.S. schon im Februar angesprochen hatte, nichts mehr im Wege, oder?

Das wäre eine Phalanx: Pro Sieben, Sat.1, Kabel eins, Sixx, Pro Sieben Maxx, Sat.1 Gold, Kabel eins Doku, RTL, RTL zwei, Super RTL, RTL Nitro, RTL Plus, n-tv und Vox. Nehmen wir die Streamingplattformen Joyn und RTL hinzu, ergäbe das einen Herausforderer „Made in Germany“, der Giganten wie Amazon, Netflix, Apple oder Disney Paroli........

© Frankfurter Allgemeine


Get it on Google Play