RTL ist mehr, als du denkst“, hieß es am Donnerstag in einer Mitteilung, die uns berichtete, der Sender suche „Millionär:innen“ und „Visionär:innen“ und sei „ein sehr attraktiver Arbeitgeber“ für „Talente aus ganz unterschiedlichen Bereichen“.

Das darf man bezweifeln. Zurzeit gehen im Stundentakt Meldungen aus dem Medienhaus ein, deren Überschrift mit „verlässt RTL Deutschland“ enden. Das gab es vor Wochen, als eine ganze Phalanx führender Mitarbeiter RTL verließ, und das setzt sich jetzt fort. Henning Tewes, bislang „Chief Content Officer“ von RTL Deutschland (also Programmchef) geht und wird durch Stephan Schmitter ersetzt, der bislang als „Chief Journalistic Content Officer“ wirkte. Ebenfalls nicht mehr dabei ist der „Chief Communications Officer“ (also Kommunikationschef) Frank Thomsen. Ihm folgt Eva Mes­serschmidt, bislang „Co-Chief Streaming Officer“ (also stellvertretende Streamingchefin).

Das sind Personalien, die der Außenwelt nicht unbedingt viel sagen. Doch zeigt jede für sich und zeigen sie in der Summe, dass bei RTL Deutschland und erst recht dem mit RTL fusionierten Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr nur noch das Wort eines Einzigen gilt – das von Thomas Rabe. Der Mann ist inzwischen als drahtiger Sonnenkönig der Oberboss von Bertelsmann, der RTL Group in Luxemburg und von RTL Deutschland. Rabe veranstaltet bei den wichtigsten Medienunternehmen des Konzerns seit einiger Zeit ein Massaker, macht Tabula rasa und richtet ein Führungschaos an.

Zuerst gingen Leute, die die Fusion von Gruner + Jahr und der Sendergruppe RTL hinbekommen wollten, vor allem Stephan Schäfer, dessen Posten als RTL-Deutschland-Chef Rabe selbst übernahm. Dann ging der langjährige RTL-Sprecher Christian Körner, nun ist dessen Nachfolger Frank Thomsen weg. Thomsen kam von Gruner + Jahr. Er verkörpert als früherer „Stern“-Redakteur und Chefredakteur von „Stern.de“ den Versuch, dort an Zeitschriftentiteln zu retten, was Oberboss Rabe retten lässt. Das ist im Zweifel wenig bis null und nichts (außer „Stern“, „Capital“ und „Geo“).

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Nichts hält Rabe, wie der Fachdienst „Medieninsider“ gerade berichtete, offenbar von dem Plan, eine umfassende RTL+-App aufzulegen („One App, All Media“), über die man an Fernsehen, Streaming und Musik kommen sollte. Rabe meint wohl, dass so etwas keiner braucht. Wahrscheinlich hat er eine große Vision für die Zukunft von, wie hießen die noch? RTL? Gruner + Jahr? Er wird das schon genau durchfusioniert haben.

QOSHE - Der Chef macht einfach alles allein - Michael Hanfeld
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Der Chef macht einfach alles allein

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17.11.2022

RTL ist mehr, als du denkst“, hieß es am Donnerstag in einer Mitteilung, die uns berichtete, der Sender suche „Millionär:innen“ und „Visionär:innen“ und sei „ein sehr attraktiver Arbeitgeber“ für „Talente aus ganz unterschiedlichen Bereichen“.

Das darf man bezweifeln. Zurzeit gehen im Stundentakt Meldungen aus dem Medienhaus ein, deren Überschrift mit „verlässt RTL Deutschland“ enden. Das gab es vor Wochen, als eine ganze Phalanx führender Mitarbeiter RTL verließ, und das setzt sich jetzt fort. Henning Tewes, bislang „Chief Content Officer“ von RTL Deutschland (also Programmchef) geht und wird durch Stephan Schmitter ersetzt, der........

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