Am Ende bleibt – nichts. So lautet das Fazit des NDR und seines Intendanten Joachim Knuth. Wochenlang stand der Sender in der Kritik, im Landesfunkhaus in Kiel und in Hamburg rumorte es. Die Redaktionschefs in Kiel, hieß es, unterdrückten kritische Berichte und pflegten zu große Nähe zum Ministerpräsidenten. Der Vorwurf stützte sich auf eine große Ausarbeitung des NDR-Redaktionsausschusses. Im Fall der Hamburg-Chefin war die Frage, ob sie an der Einstellung ihrer einen Tochter mitgewirkt und dafür gesorgt habe, dass Themen der PR-Agentur ihrer anderen Tochter redaktionell durchkamen.

Zuerst stieg in Kiel weißer Rauch auf. Zwei Redakteure prüften und kamen zu dem Schluss, es seien keine kritischen Berichte unterdrückt worden, es habe keinen „politischen Filter“ gegeben. Gleichwohl wurden zwei heftig kritisierte Chefs versetzt. Der Funkhausdirektor Volker Thormählen kehrte auf seinen Posten zurück.

In Hamburg ergab die Prüfung der Anti-Korruptions-Beauftragten derweil „keinerlei Korruptionstatbestände durch Handeln oder Unterlassen der Direktorin Sabine Rossbach“, so der NDR. Die Vorwürfe hätten sich als „falsch herausgestellt“. Rossbach habe nur 2012 in einem Fall gegen die Dienstanweisung verstoßen, „weil sie damalige Vorgesetzte nur mündlich und nicht schriftlich über die Tatsache informiert hatte, dass ihre Tochter Miteigentümerin einer PR-Agentur ist, die in Hamburg Veranstaltungen betreut, über die auch im Programm des Landesfunkhauses berichtet wurde“. Der Verdacht, Veranstaltungen seien im Programm „platziert“ worden, sei unbegründet.

Zum selben Ergebnis kommen zwei Redakteure in ihrer Beurteilung der journalistischen Komponente: keine Belege „für einen unzulässigen Eingriff in das Programm des NDR-Landesfunkhauses Hamburg“. Doch gebe es „einen durch Führungs- und Kommunikationsstil bedingten Vertrauensverlust sowie Versäumnisse in puncto Transparenz“. Wegen des „verloren gegangenen Vertrauens zwischen ihr und Teilen der Redaktion“ stellt Rossbach ihr Amt zum 1. April 2023 zur Verfügung.

Er bedauere, so Intendant Knuth, dass ihre „Leistung durch die erhobenen Vorwürfe in den vergangenen Wochen überschattet wurde“, und dass sie „den Weg für einen Neuanfang im Landesfunkhaus frei macht, spricht für ihre große Verbundenheit zum NDR“. In seinem Sender scheint alles in bester Ordnung zu sein.

Mehr zum Thema

1/

Finanzpfründe bei ARD und ZDF : Ruhegeld? Das ist Spitze!

Sender holt Ombudsmann : Der NDR braucht einen Klimaretter

Der SWR und die Ahrtalflut : Geflutet

„Stern“-Chefredakteur Schmitz : „Der ,Stern’ ist Deutschland“

QOSHE - Das große Nichts - Michael Hanfeld
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close
Aa Aa Aa
- A +

Das große Nichts

6 2 0
29.10.2022

Am Ende bleibt – nichts. So lautet das Fazit des NDR und seines Intendanten Joachim Knuth. Wochenlang stand der Sender in der Kritik, im Landesfunkhaus in Kiel und in Hamburg rumorte es. Die Redaktionschefs in Kiel, hieß es, unterdrückten kritische Berichte und pflegten zu große Nähe zum Ministerpräsidenten. Der Vorwurf stützte sich auf eine große Ausarbeitung des NDR-Redaktionsausschusses. Im Fall der Hamburg-Chefin war die Frage, ob sie an der Einstellung ihrer einen Tochter mitgewirkt und dafür gesorgt habe, dass Themen der PR-Agentur ihrer anderen Tochter redaktionell durchkamen.

Zuerst stieg in Kiel weißer Rauch auf. Zwei Redakteure........

© Frankfurter Allgemeine


Get it on Google Play