Warum Ost und West ähnlicher sind als gedacht

Ost-West-Klischees : Warum Ost und West ähnlicher sind als gedacht

Die AfD erzielt im Westen zunehmend ähnliche Wahlerfolge wie im Osten. Politische Klischees über Ost und West verlieren an Aussagekraft.

In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hat die AfD jüngst in den Wahlen Ergebnisse von fast zwanzig Prozent erzielt. Allerdings beschwor niemand, anders als bei Wahlen in Ostdeutschland, dort eine „braune“ Gefahr und sah die Demokratie am Abgrund. Obwohl die AfD nun in beiden Bundesländern die stärkste Oppositionspartei ist, genau wie in Sachsen, Thüringen und Brandenburg. Zwar hat die AfD zuletzt im Osten Ergebnisse von dreißig Prozent und mehr erzielt. Im Westen holt sie aber derzeit in etwa nach, was ihr im Osten schon einen Wahlzyklus vorher gelungen ist.

Überraschend sind die jüngsten Ergebnisse der AfD im Westen eigentlich nicht. Auch im Bundestag ist sie seit gut einem Jahr stärkste Oppositionskraft, erreichte bei der Bundestagswahl fast 21 Prozent. Ohne die Stimmen aus Ostdeutschland inklusive Berlin wäre die AfD immer noch auf mehr als 18 Prozent gekommen. Die AfD ist also kein ostdeutsches Phänomen – womit gängige Erklärungsmuster von den diktaturgeschädigten Ostdeutschen zumindest fragwürdig erscheinen. Insgesamt gibt es mehr gesamtdeutsche Gründe für die Wahl der Rechts-außen-Partei als regionale.

Eher ein Nord-Süd-Gefälle als eine Ost-West-Linie

Die Ergebnisse der AfD taugen also nicht mehr dafür, einen grundsätzlichen Gegensatz zwischen Ost........

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