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Ein Gefangener der Linken?

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04.01.2026

In Italien wird versucht, Pasolinis Werk und Biographie Analogien mit rechtem Gedankengut zu unterstellen. Jetzt meldet sich die 89-jährige Grande Dame der italienischen Literatur mit einer Klarstellung.

Italiens Rechte will ihrer Vorstellung vom richtigen Leben intellektuelle Würde verleihen. Sie hat deshalb schon Antonio Gramsci, Autor und Gründer der Kommunistischen Partei Italiens, zu einem ihrer Vordenker erklärt. Wie man dessen Konzept der kulturellen Hegemonie neu und für eigene Ziele interpretieren könnte, darüber schrieb Melonis Kulturminister Giuli das Buch „Gramsci è vivo“ (Gramsci lebt). Die Aufregung über den intellektuellen Übernahmeversuch ist inzwischen wieder abgeflaut. Ein Bestseller wurde das Werk des Kulturministers nicht. Er hat sich mittlerweile einer anderen Persönlichkeit zugewandt, die einen äußerst hohen Symbolwert in Italien besitzt, nämlich Pier Paolo Pasolini.

Die Rechte zeigt sich schon lange von ihm fasziniert. Schließlich war Pasolini ein radikaler Antimodernist, kritisierte den Neokapitalismus und die Homogenisierung der Kultur und lobte die vormoderne Welt als authentisch. Meloni zitiert Verse Pasolinis in ihrer Biographie. Dass aber ausgerechnet er, der zu Lebzeiten wegen........

© Frankfurter Allgemeine