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Unser Internet ist zu amerikanisch

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25.05.2020

Wer als Tourist das erste Mal nach Amerika fliegt, erlebt einen Aha-Moment. Er sieht die Straßenzüge, die Taxis, die Menschen, und versteht: Jene Welt, die er aus amerikanischen Vorabendserien kennt, ist keine künstliche, überdrehte Fernsehphantasie. Es ist das ganz gewöhnliche amerikanische Alltagsleben.

Mit unserer Diskussionskultur im Internet ist es ähnlich. Viele Deutsche sehen die Art, wie im Internet gestritten wird, als etwas Künstliches. Sie glauben, das liege an der Technik. Im Netz, sagen sie, seien die Dinge eben wild und ungesteuert. Andere glauben, der Hass entstehe, weil wir im Internet Sprechakte ohne Kontext hören. Über das, was ein anonymer Tiradeur nachts nach dem dritten Glas Rotwein in die Tasten hämmert, schütteln Klarsichtige morgens beim Frühstück den Kopf. Viel zu selten wird bemerkt, dass die ultraliberale Streitkultur, die amerikanische Konzerne im........

© Frankfurter Allgemeine