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Impfen nach Gutsherrenart

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Pharma-Eklat in USA : Impfen nach Gutsherrenart

Ein RNA-Impfstoff gegen Grippe wurde von US-Behörden gar nicht erst geprüft. Ein billiges Manöver der impfkritischen Regierung – und ein teurer Präzedenzfall.

Die Bürokratie verstümmelt den Fortschritt, Regulierungswut zersetzt den Erfindergeist. Für die hiesigen Arzneimittelentwickler sind das keine leeren Worte, der Kampf um eine Reform des Arzneimittelmarktes und des zugehörigen Gesetzes („AMNOG“) strahlt bis in die Forschung zurück. Wohin allerdings blinde Deregulierungswut führen kann, wenn sie von ideologischer Willfährigkeit erzwungen wird, lässt sich derzeit im antimodernistischen Stakkato jenes Landes besichtigen, das sich weiterhin als die erste Adresse des Fortschritts betrachtet.

In den USA ist nach Informationen von „Nature“ die Infektionsbehörde der Nationalen Gesundheitsinstitute NIH per E-Mail angewiesen worden, die Onlineseiten zu „Pandemie-Plänen“ und „Biowaffenabwehr“ zu löschen. Noch übergriffiger nimmt sich das Manöver des zuständigen und vom impfkritischen US-Minister Robert F. Kennedy Jr. eingesetzten FDA-Commissioners aus. Dieser hat der US-Firma Moderna einen Brief geschrieben und darin kurzerhand veranlasst, den Zulassungsantrag für einen neuen mRNA-Grippeimpfstoff ohne weitere Begutachtung zurückzuweisen. Die Begründung kann man auf den Seiten der konsternierten Pharmafirma nachlesen.

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Der Vorwurf, in der aufwendigen internationalen Zulassungsstudie mit 40.000 Probanden habe die Firma quasi vergessen, ihren mRNA-Impfstoff gegen eine Hochdosis-Variante eines herkömmlichen Impfstoffs zu testen, ist hinlänglich widerlegt. Nicht nur sind die entsprechenden Daten dokumentiert, die einen solchen zusätzlichen Nachweis praktisch überflüssig machen und zumindest hätten geprüft werden können. Auch jenseits des wissenschaftlichen Eklats stinkt die Willküraktion eines einzelnen, politisch eingesetzten Regulators zum Himmel. Denn sie ist zugleich gesundheitspolitisch destruktiv und zutiefst menschenverachtend. Sie verhindert, dass die schnellste, modernste und derzeit effektivste Methode, um einen breiten Impfschutz herzustellen, die mRNA-Technologie nämlich, vorangetrieben wird.

Moderna hat als Folge der FDA-Entscheidung angekündigt, ihre Arbeit an Vakzinen gegen Ep­stein-Barr, Herpes und Gürtelrose einzustellen. Die Gefolgschaft, die US-Außenminister Marco Rubio neulich von Europa eingefordert hat, kann hier nur glatt verweigert werden.

Joachim Müller-JungVerantwortlicher Redakteur für das Ressort „Wissenschaft“.

Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Wissenschaft“.

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