Wie langweilig, wenn alle Favoriten weiterkommen

Abstruser Turniermodus : Wie langweilig, wenn alle Favoriten weiterkommen

WM-Boykott aus politischen Motiven? Das ist gesellschaftlicher Sprengstoff. Doch auch aus sportlicher Sicht gibt es Gründe für zurückhaltendes Interesse. Das liegt nicht nur an den vielen No-Name-Teilnehmern.

Es ist knapp vier Jahre her, da tobte in Deutschland eine Diskussion um den WM-Boykott. Durfte man unbeschwert Fußballspiele schauen, wenn sie in einem Land wie Qatar stattfanden, dessen Menschenrechtsverständnis so weit von dem eigenen entfernt war? Auch und gerade nach dem deutschen Vorrundenaus wurde die Debatte hierzulande besonders intensiv geführt, galt es doch für Kants Erben, immerhin den Titel als Moralweltmeister zu verteidigen.

In diesem Jahr ist die Boykottdiskussion über ein paar Scharmützel nicht hinausgekommen – zum Glück. Denn so verständlich es ist, auch den Fußball moralisch vermessen zu wollen, so wichtig ist es für eine Gesellschaft, vorpolitische Räume zu bewahren, in denen die Menschen jenseits der üblichen Spaltungslinien zusammenfinden. Um die Verantwortung des Einzelnen in globalen Schuldzusammenhängen zu diskutieren, gibt es schon genügend und gewichtigere Themen wie Fleischessen oder Fliegen. Sicher, dieses Argument kennt Grenzen – spätestens die WM in Saudi-Arabien im Jahr 2034 wird es erneut auf die Probe stellen –, aber bei einem Turnier in Nordamerika scheinen sie nicht........

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