Ein Handelsvertrag mit Makel |
Die EU zeigt Flagge auf dem einzigen Feld, auf dem sie so etwas wie eine Weltmacht ist – der Handelspolitik. Es bleiben aber Zweifel daran, wie handlungsfähig sie wirklich ist.
Es wirkte ein wenig so, als wollten sie sich selbst starkreden: An großen Worten fehlte es den Anhängern des Handelsabkommens mit den lateinamerikanischen Mercosur-Staaten nämlich nicht, nachdem die EU-Staaten endlich den Weg für die Unterzeichnung frei gemacht hatten.
Von einem Symbol für strategische Autonomie und die Handlungsfähigkeit der EU sprach Bundeskanzler Friedrich Merz; von einem Signal für regelbasierten Handel, gegen Protektionismus und Blockbildung Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Ratspräsident António Costa, der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europaparlament, Bernd Lange, diverse Wirtschaftsvertreter, sie alle formulierten es ähnlich, häufig wortgleich.
Alles davon ist richtig. Die EU, vor allem Deutschland, wird ökonomisch stark vom Freihandel mit Argentinien, Paraguay, Uruguay und insbesondere Brasilien profitieren. Deutsche Auto- und Maschinenhersteller, Chemieunternehmen und Dienstleister erhalten freien Zugang zu einem riesigen, bisher stark abgeschotteten Markt. Die neuen Absatzmärkte benötigt die EU, um ihre Abhängigkeit von den