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Das Filmerbe muss bewahrt werden

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Fördermittel gestrichen : Das Filmerbe muss bewahrt werden

Nicht einmal zehn Prozent des deutschen Filmerbes sind restauriert, jetzt kämpft das Förderprogramm mit Kürzungen und soll eingestellt werden. Ein törichter Schritt, der Protest hervorruft.

Riecht es hier nach Essig? Sauer jedenfalls sind sie alle, die Archive und Kinematheken, die Verbände für Filmarbeit und die Erhaltung der Filmkultur. Auch das Deutsche Filminstitut und Filmmuseum (DFF) hat sich dem jüngsten „Appell an Politik und Öffentlichkeit: Retten Sie das deutsche Filmerbe!“ angeschlossen. Der Grund: nachdem schon die vorherige Bundesregierung von 2025 an die Fördermittel für die Rettung historischer Filme um die Hälfte gekürzt hatte und einige Bundesländer abgesprungen waren, droht nun das Aus des Förderprogramms Filmerbe für 2028.

Seit Tagen läuft die Petition online: Es sei „fünf vor zwölf“ für das Filmerbe, schreiben nun auch die künstlerische Direktorin des DFF, Christine Kopf, und der Leiter des DFF-Filmarchivs, Rudolf Worschech auf dff.film. Das DFF gehört, wie etwa auch die Deutsche Kinemathek in Berlin, zu den Häusern, die seit Jahren mithilfe des Förderprogramms Filmerbe gegen ein Phänomen ankämpfen, das der Filmhistoriker Helmut Herbst, der einst an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung gelehrt hat, schon 2014 in der Petition beschrieben hatte, die schließlich das Förderprogramm mit hervorgebracht hatte: Analoges Filmmaterial ist akut vom Verfall bedroht. Der Geruch nach Essig, das „Vinegar Syndrome“,  bedeutet in einem Archiv mit Filmkopien, dass das Celluloseacetat des Films sich zersetzt – die Emulsion löst sich auf, das Material ist unwiederbringlich verloren. Nur Restaurierung, Konservierung und das Erstellen einer digitalen Kopie können helfen. Letzteres auch, weil immer weniger Kinos oder Vorführräume überhaupt analoge Kopien zeigen können.

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Bislang sind mit etwas mehr als 1000 Filmen aber nicht einmal zehn Prozent des deutschen Filmerbes gerettet. Das betrifft nicht nur berühmte Stummfilme, sondern, wie der jüngste Jahresbericht des Förderprogramms zeigt, auch vergleichsweise junge Werke: Vom DFF restauriert und 2025 wiederaufgeführt werden konnte Werner Schroeters „Malina“ (1991) nach Ingeborg Bachmann.

Immer wieder ist anlässlich dieser Wiederaufführungen zu erleben, wie gerade das jüngere Publikum von der Begegnung mit dem Filmerbe profitiert. Die Gespräche, die nach solchen Vorführungen stattfinden, erlauben erhellende Blicke in die Vergangenheit. Dass ausgerechnet da Hand angelegt werden soll, passt zu weiteren Streichungsbestrebungen der Bundesregierung: Sie treffen Vergangenheit und Zukunft der Gesellschaft gleichermaßen.

Eva-Maria MagelLeitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.

Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.


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