Was von der World Design Capital zu erwarten ist

Frankfurt und die Rhein-Main-Region tragen 2026 den Titel World Design Capital. Zu Beginn des Designjahres ist fraglich, ob es gelingt, aus vielen guten Ideen ein Projekt mit nachhaltiger Wirkung zu formen.

Die Freude war groß, als Ende 2023 bekannt wurde, dass Frankfurt und die Rhein-Main-Region ein Jahr lang den Titel World Design Capital tragen werden. Seitdem gilt die Strahlkraft des Designjahres als große Chance, junge Talente anzuziehen, die regionale Kreativwirtschaft zu stärken und sich einem internationalen Publikum als Region zu präsentieren, die mehr zu bieten hat als Finanzen, Flughafen und Pharma.

Und das hat Frankfurt schließlich ja auch. Die Region hat mit ihrer Skyline und der Hochhausarchitektur, mit ihrer Designtradition und damit verbunden mit Ikonen wie Industriedesigner Dieter Rams (Braun) und Autodesigner Erhard Schnell (Opel), mit ihrer Internationalität und guten Erreichbarkeit, mit der starken Kreativszene und nicht zuletzt mit ihren kurzen Wegen sowie der Mischung aus Großstädten und ländlichen Gegenden viele Argumente, die den Titel World Design Capital rechtfertigen.

Doch kaum hat das Designjahr 2026 begonnen, stellt sich die Frage, welchen Sinn das Projekt eigentlich hat. Natürlich ist es schick, sich mit einem wohlklingenden Titel schmücken zu dürfen, der Frankfurt auf diesem Feld gleichsetzt mit Vorgängerstädten wie Kapstadt, Helsinki oder Seoul. Doch zu Beginn des Jahres steht die Frage im Raum, ob Ende 2026 der Blick zurück auf das World-Design-Capital-Jahr wirklich Zufriedenheit auslösen oder ob dann eher Enttäuschung über eine verpasste Chance vorherrschen wird.

Das Problem liegt im Versprechen selbst: Vielen in der Region erscheint es kaum erfüllbar. Design, so die Idee der Ausrichter, soll dazu beitragen, Herausforderungen zu bewältigen, soll Prozesse und Systeme verändern, Gesellschaft gestalten, demokratische Strukturen stärken – und am Ende auch noch die Region zusammenführen.

Das klingt zeitgemäß und klug, und vermutlich war gerade der Verweis auf Design als Mittel zur Gestaltung demokratischer Prozesse ein Argument, weshalb sich Frankfurt unter den Bewerberstädten gegen die saudi-arabische Metropole Riad durchgesetzt hat. Doch gerade weil die Ziele komplex und anspruchsvoll sind, war lange unklar, wie sie greifbar gemacht werden können. Genau darin liegt die Gefahr: Wer ein Jahr mit großen Worten zu Demokratie und Transformation auflädt, muss........

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