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Infantinos Prinzipien

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WM und Menschenrechte : Infantinos Prinzipien

Die Fußball-WM 2026 sollte die erste sein, die unter Leitprinzipien für Menschenrechte stattfindet. Wie viel der FIFA diese Regeln wert sind, hat sie längst deutlich gemacht.

Mindestens 167.000 Menschen sind zwischen 20. Januar 2025 und 10. März 2026 in den Ballungsräumen der Gastgeberstädte der Fußball-WM in den Vereinigten Staaten von den Schergen der US Immigration and Customs Enforcement (ICE) verhaftet worden. Die Fußball-WM finde, so formuliert es Human Rights Watch, das die Zahlen am Montag vorlegte, in einem „Klima der Angst“ statt.

Allein in Miami wurden fast 40.000 Menschen in Gewahrsam genommen. Dort, in Miami, hat die Fédération Internationale de Football Association (FIFA) ihre Rechtsabteilung untergebracht, dort trifft ihr Präsident Gianni Infantino immer mal wieder den FIFA-Friedenspreisträger Donald Trump, nirgends scheint die Schnittmenge von WM und Repression greifbarer.

Rund 100 Kilometer liegen zwischen Miamis WM-Stadion und „Alligator Alcatraz“, dem Abschiebegefängnis, von dem der 61 Jahre alte, weiße Kanadier Douglas Dixon Mitte April gegenüber dem kanadischen Sender CTV aus eigener Erfahrung berichtete: „Menschen werden dort wie Tiere behandelt. Es ist wie Deutschland 1939 samt Update mit Regeln von 2026.“

Klaveness stellt sich gegen Infantinos Friedenspreis-Vergabe

Es wäre die Aufgabe der FIFA, sich mit der Menschenrechtslage in den Gastgeberländern auseinanderzusetzen, schließlich ist diese WM die erste, die von der Vergabe bis zur Austragung unter den Regeln stattfindet, denen sich der Weltverband selbst unterworfen hat, den Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte. Wie viel diese Regeln tatsächlich zählen, lässt sich auch an der Tatsache ablesen, dass lediglich vier von 16 Gastgeberstädten in den USA, Mexiko und Kanada überhaupt „irgendwas“ in Sachen Menschenrechtsschutz veröffentlicht haben, wie HRW-Direktorin Minky Worden am Montag sagte.

Wer und was für den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino zählt, hat er mit der Erfindung und Verleihung des Friedenspreises an Donald Trump im vergangenen Dezember deutlich gemacht. Seither hat Trump Venezuelas Staatschef verschleppt und den Krieg gegen die Islamische Republik Iran begonnen.

Drei Sätze mit einem einfachen Nenner

Also hat Lise Klaveness, die Präsidentin des norwegischen Fußballverbands, die sofortige Abschaffung des Friedenspreises gefordert: „Man braucht eine Jury und Kriterien, das ist Vollzeitarbeit. Es ist so sensibel. Was die Ressourcen angeht, das Mandat und vor allem aus Sicht der (Verbands-; d. Red.) Führung sollte das in Zukunft vermieden werden.“ Diese drei Sätze lassen sich als Negativ formuliert auf einen einfachen Nenner bringen: Lise Klaveness hält den FIFA-Alleinherrscher Gianni Infantino für zu unseriös für die Vergabe eines Friedenspreises.

Der norwegische Verband, teilte sie am Montag mit, unterstützt die Beschwerde, die von der Menschenrechtsorganisation Fair Square bei der Ethikkommission der FIFA eingereicht wurde und die untersuchen soll, ob Infantino das Gebot politischer Neutralität verletzt hat. Wenigstens ein nationaler Verband also, der beweist, dass stilles Wegducken nicht die einzige Option ist.

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Im Februar, Wochen nach Eingang der Beschwerde, hatte sich Infantino derweil mit roter „USA“-Kappe im Trump-Stil bei dessen „Board of Peace“-Inszenierung präsentiert. Ihn ficht das alles nicht an. Das lässt sich auch aus seinen Instagram-Posts ablesen, deren Frequenz vor dem FIFA-Kongress in Vancouver wieder anzieht. Die Weltmeisterschaft werde die „inklusivste aller Zeiten“.

Das behauptet er mit derart penetranter Regelmäßigkeit, dass man fast verwundert sein darf, dass sich die FIFA darauf noch nicht das Markenrecht gesichert hat. Die Methode Infantino ist die Methode Trump. Es sind noch sechs Wochen bis zur MAGA-FIFA-WM.

Christoph BeckerStellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.


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