Wie das Stiftungsmodell unabhängigen Journalismus sichert
In einer Zeit, in der Medien auf der ganzen Welt unter Druck geraten, erweist sich die institutionelle Verankerung von Unabhängigkeit als Stabilitätsanker.
Um die Unabhängigkeit der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ von Regierung, Parteien sowie von politischen und wirtschaftlichen Interessentengruppen und von einzelnen Personen auch für die Zukunft zu schützen, ist jetzt eine Stiftung errichtet worden.“ Diese Worte standen am 25. April 1959 in der Deutschland-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung – also vor 66 Jahren. Es war die Geburtsstunde eines Modells, das bis heute in Deutschland ohne Beispiel ist und dessen Bedeutung in unserer Zeit aktueller denn je erscheint. Die beiden Begriffe – Unabhängigkeit und Stiftung – sind für die Frankfurter Allgemeine Zeitung keine abstrakten Konzepte, sondern gelebte Praxis seit der Gründung der FAZIT-Stiftung in der Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH. Und: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist die einzige Zeitung in Deutschland, die schon seit ihrer Gründung 1949 von einem Herausgebergremium geleitet wird. Sie hat keinen Chefredakteur. Diese Struktur ist kein Zufall, sondern Ergebnis bewusster Entscheidungen, die in der deutschen Geschichte wurzeln – und bis heute modern sind.
Die Gründer der F.A.Z., allen voran der Herausgeber Erich Welter, hatten lange überlegt, wie die redaktionelle und unternehmerische Unabhängigkeit der Zeitung wirkungsvoll und dauerhaft gesichert werden könnte. Die Erfahrung aus der Zeit der Weimarer Republik war noch gegenwärtig: Man wusste, wie politische und wirtschaftliche Gruppierungen über eine Mehrheitsbeteiligung in der Lage sein konnten, Einfluss auf die redaktionelle Gestaltung einer Zeitung zu nehmen. Die FAZIT-Stiftung Gemeinnützige Verlagsgesellschaft mbH hält deshalb seit 1959 die Mehrheit der Anteile – derzeit 93,7 Prozent – an der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH. Die weiteren Anteile werden von den Herausgebern gehalten, die auch die Linie der Zeitung bestimmen.
Diese Struktur hat weitreichende Konsequenzen: Die Erträge aus der Beteiligung der FAZIT-Stiftung an der F.A.Z. werden ausschließlich für gemeinnützige Zwecke verwendet – gemäß der Satzung zur Förderung von Wissenschaft und Forschung, Bildung und Erziehung. Die Stiftung unterstützt Universitäten, Hochschulen und Museen, vergibt Stipendien und stiftet Preise für wissenschaftliche oder journalistische Bestleistungen. Das zweite Element der besonderen Verfassung ist das Herausgebermodell. Deren Aufgabe ist es, die politische, wirtschaftliche und kulturelle Linie des Blattes zu bestimmen. Geführt wird die Zeitung nach dem Kollegialprinzip. Diese kollektive Struktur verhindert, dass eine einzelne Person – ein Chefredakteur, ein Verleger, ein Eigentümer – die Linie diktieren kann.
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