Chemie im Käfig

Industriepolitik in Europa : Chemie im Käfig

Die EU will festlegen, welche Chemikalien Europa braucht. Um die Resilienz zu erhöhen und die Industrie zu schützen. Aufgehen wird der Plan nicht.

Deutsche, kauft deutsche Zi­tronen!“. Mit diesem Vers hat sich Kurt Tucholsky schon vor neunzig Jahren über Isolation, völkische Parolen und Nationalismus lustig gemacht. Der Vergleich hinkt und doch – ist es ein bisschen wieder so. Statt Nationalismus und Abschottung heißt ein Schlagwort heute „Resilienz“. Weniger abhängig sein von Importen, nicht erpressbar im Krisenfall. Und es stimmt: Ohne amerikanische Technologie, arabisches Öl, Seltene Erden aus China geht kaum etwas in Europa. Der russische Überfall auf die Ukraine und die Kapriolen von US-Präsident Donald Trump haben jedem vor Augen geführt, wie wichtig es ist, sich zu wappnen.

Die europäische Wirtschaft soll deshalb resilienter werden, das ist politischer Konsens. Auch in der Definition von kritischen Industriezweigen findet sich die Europäische Union schnell zusammen: Rüstung, Nahrungsmittel, Gesundheitsversorgung, Energie.

Mutter aller Industrien

Allein, um noch einmal Tucholsky zu bemühen: „Was die Weltwirtschaft angeht, so ist sie verflochten.“ Um Rüstungsgüter, Energie oder Dünger zu produzieren, braucht es eine lange Reihe von Vorprodukten. Geht man diese Ketten zurück, landet man fast immer in der Chemieindustrie – der Mutter aller Industrien. Ohne........

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