Wie aus schwerem Missbrauch ein „hässlicher Familienstreit“ wird

Der Fall Pelicot ist weiterhin immer wieder in den Medien. Mit welchen Neuigkeiten ist allerdings oft fragwürdig. Was war nochmal das eigentliche Thema?

In ihrem neuen Buch „Ich kämpfe für die Wahrheit“, das diese Woche erscheint, schreibt Caroline Darian, die Tochter von Gisèle Pelicot, über ihr Leben nach dem Prozess: „Es wird ein neues Kapitel aufgeschlagen, das schon, aber diese öffentlich gewordene Familienangelegenheit hinterlässt unauslöschliche Spuren und brandmarkt uns für immer.“

Mit diesem Satz hat Darian in mehrerer Hinsicht recht. Man wird den Namen Pelicot für immer mit einem der prominentesten Prozesse der Justizgeschichte verbinden. Er stimmt aber auch, weil das Leben der Pelicots eine Art öffentliche Familiensaga geworden ist, über die manche Medien berichten wie über die neuste Folge einer Reality-TV-Show. „Paris Match“ veröffentlichte „exklusive Bilder“ von Gisèle Pelicot und ihrem neuen Partner, der Vorspann des Artikels klang wie ein billiger Filmtrailer. Das ist Boulevard, klar, doch auch seriösere Medien waren, wenngleich in anderem Ausmaß, sehr am Familienleben der Pelicots interessiert.

Im Sommer gab Darian dem britischen „Telegraph“ ein Interview. Es ging um ihr erstes........

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