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Herr der Dinge

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11.09.2019

Was nehmen Menschen mit, die aus ihrer Heimat fliehen? Das Nötigste – natürlich. Und das, was ihnen am meisten am Herzen liegt – vermutlich. Tom Kiefer war fast vier Jahre lang Hausmeister eines Grenzschutzsamtes in Ajo, Arizona, ehe er 2007 begann, dieser Frage auf den Grund zu gehen. Kiefer durchsuchte – mit Erlaubnis seiner Vorgesetzten – die Mülltonnen der Behörde nach verpacktem Essen. Die Vorräte, die die Flüchtenden in die Stadt nahe der mexikanischen Grenze mitgebracht hatten und die von der Behörde konfisziert worden waren, spendete er an eine Tafel.

In den Tonnen fand Kiefer neben Lebensmitteln auch persönliche Gegenstände: Schlüssel, Handys, Sonnenbrillen, Kaugummis, Portemonnaies, Kondome, Tabletten – alles, was die amerikanische Grenzkontrollbehörde als „nicht essenziell“ oder möglicherweise gefährlich einstuft und den Flüchtenden abnimmt. Dass es dieselben Gegenstände sind, die die meisten Menschen täglich mit sich herumschleppen – eben weil sie essenziell sind –, irritierte Kiefer. Bis er 2014 seinen Job kündigte, um als Fotograf zu arbeiten, sammelte er Zehntausende Gegenstände und arrangiert sie bis heute für seine Fotos. So dokumentiert Kiefer die Arbeitsweise der Grenzbehörden während der Bush- und........

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