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Ein Wahlversprechen nur für mich

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25.08.2021

Stell dir vor, du bist eine Rentnerin in Florida im Jahr 2020. Du hast eine kaputte Hüfte, aber kannst dir die Behandlung nicht leisten. Du bist dir noch unsicher, ob du bei der Präsidentschaftswahl für den Demokraten Joe Biden oder den Republikaner Donald Trump stimmen sollst. Eines Morgens checkst du deine Mails. Darunter: Eine Nachricht von Joe Bidens Wahlkampfteam, das dir ausgerechnet eine bessere Gesundheitsversorgung für Rentner*innen verspricht – na dann! Gut möglich, dass du ab sofort dazu tendierst, deine Stimme der Demokratischen Partei zu geben.

Das, was da passiert, ist kein Zufall, sondern sogenanntes Microtargeting. Bei dieser Wahlkampfpraxis werden die Daten potenzieller Wählerinnen und Wähler aus sozialen Netzwerken und Datenbanken gesammelt – Bildungsabschluss, Zeitschriftenabos, Hobbys oder die präferierte Automarke –, um die Leute in Kategorien einzuordnen und sie dann mithilfe von Machine Learning gezielt anzusprechen. Du hast die ökologische Suchmaschine Ecosia als Startseite eingerichtet und folgst der Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg auf Instagram? Dich kriegen wir mit Klimathemen, am besten in deinem Feed. Du fährst ein SUV und trinkst gerne Whiskey? Dir schicken wir einen Brief und argumentieren mit Wirtschaftsthemen. Kurz: Es geht um hochgradig personalisierte Wahlwerbung, auch „Dark Ads“ genannt, also Anzeigen, die einem bestimmten Publikum vorbehalten sind, ausgewählt beispielsweise anhand von Geschlecht, Alter, Wohnort oder Interessen.

Etwa seit Mitte der 2000er-Jahre wurde Wahlwerbung in den USA individuell an Nachbarschaften angepasst – damals mithilfe von Kreditkartendaten und öffentlichen Registern. Spätestens seit 2008 ist es in den USA üblich, bis zu 500 Informationsdetails pro Person aus dem Netz zu extrahieren. So hatte........

© Fluter


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