We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close
Aa Aa Aa
- A +

Mit Opferzahlen Rechnen lernen

3 0 0
23.09.2020

Schulbücher seien wie „Massenerziehungswaffen“, sagte mal ein Historiker. Sie könnten zu Hass anstacheln – oder Verständigung lehren. Wie unterschiedlich Schulbücher Fakten und Zusammenhänge darstellen können, sieht man vor allem, wenn es um Konflikte geht: Da hat jede Partei schnell ihre eigene Wahrheit, die in Schulen vermittelt werden soll. Wir haben fünf Beispiele umstrittenen Wissens zusammengestellt.

50 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges geschah in Europa wieder ein Völkermord. Im Juli 1995 ermordeten binnen weniger Tage bosnisch-serbische Truppen mehr als 8.000 Bosniaken in Srebrenica. Der Name der Stadt gilt seither als Mahnmal des Krieges im ehemaligen Jugoslawien.

Doch in Bosnien und Herzegowina, wo die Tat geschah, kommt das Wort Srebrenica in vielen Lehrbüchern nicht vor. Schülerinnen und Schüler lernen dort meist getrennt nach ethnischer Zugehörigkeit: Kroaten haben kroatische Geschichtsbücher, Serben nutzen serbische, und auch die Bosniaken haben ihre eigenen Bücher. Selbst in „gemischten“ Schulen werden Jugendliche häufig voneinander getrennt durch Zäune oder zeitlich getakteten Unterricht. Diese Trennung, dieses Nebeneinander statt Miteinander zeigt sich auch in den Geschichtsbüchern der achten und neunten Klasse aus den Jahren 2009/2010, wenn es um die jüngste Geschichte geht.

In Bosnien und Herzegowina lernen Bosniaken, Kroaten und Serben oft mit ihren eigenen Schulbüchern. Nur im bosniakischen Geschichtsbuch (links) wird Srebrenica ausführlich behandelt. Im kroatischen (rechts) wird der Völkermord kaum erwähnt

Nur im Lehrbuch der Bosniaken – der Gruppe der Opfer – nimmt der Völkermord größeren Raum ein. Im serbischen Buch ist von Srebrenica nirgends die Rede, dabei wurde die Tat von Serben begangen. Stattdessen werden immer wieder die eigenen Opfer betont, auch aus anderen Kriegen. Von Tätern aus den eigenen Reihen ist kaum je die Rede. Als gäbe es einen Krieg, als gäbe es einen Völkermord ohne diejenigen, die töten.

Wie war das nochmal genau? Hier liest du mehr über den Völkermord in Srebrenica.

Im Jahr 1989 erschien das DDR-Schulbuch „Geschichte für die 10. Klasse“. Wer als Schüler durch die Seiten blätterte, dem wurde klar: Es herrscht Krieg. Zumindest ideologischer. Auf vier........

© Fluter


Get it on Google Play