Alice Weidel und Theo Müller: Der diskrete Charme der Gönner aus den Alpen

Alice Weidel und Theo Müller: Der diskrete Charme der Gönner aus den Alpen

Alice Weidel und Theo Müller: Der diskrete Charme der Gönner aus den Alpen

Der Müllermilchbart ist quasi das neue rechte Erkennungszeichen. Die AfD-Nähe des Molkereimilliardärs ist unbezahlbar für die AfD. Aber sie zwingt Weidels Fans auch in einen gefährlichen Spagat, kommentiert RND-Reporter Jan Sternberg.

Man muss noch nicht einmal berühmte Fotomontage des Agitpropkünstlers John Heartfield bemühen, um zu wissen, dass die scheuen Millionen des großen Kapitals immer wieder einen diskreten Charme auf die politische Rechte ausübten. Auch hinter dem Aufstieg der AfD seit 2013 standen Millionen, mutmaßlich von unbenannten Gönnern aus dem Alpenraum. Steuerflüchtlinge sind die einzige Art Flüchtlinge, denen die AfD mit Sympathie begegnet.

Theo Müller, in der Schweiz gemeldeter Milchmulti aus dem bayerischen Aretsried, gehört nach eigenen Angaben nicht zu diesen finanziellen Gönnern. Politisch aber ist er für die AfD gerade unbezahlbar.

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AfD „gesichert rechtsextremistisch“ – richtig, aber nicht genug

Er ist für die in Teilen rechtsextreme Partei ein weiterer Beweis einer angeblichen Normalisierung. Dass sich ein großer deutscher Unternehmer in der ungezwungenen Atmosphäre edler Lokale im südfranzösischen Cannes mit AfD-Chefin Alice Weidel über die aktuelle Politik und das Parteiprogramm der AfD auszutauschen wünscht, und dies anscheinend regelmäßig und ganz offen – das macht bei Weidels Fans etwas her. Der Müllermilchbart ist quasi das neue rechte Erkennungszeichen.

Die AfD – keine Partei für den kleinen Mann

Fraglich ist nur, wie lange die AfD es schafft, erfolgreich den Spagat hinzulegen zwischen einer vorgeblich sozial-nationalen Kümmererpartei für den deutschen Arbeiter und gleichzeitig einer möglichen neuen politischen Heimat für heimatlose konservative Unternehmer, denen der eigene Kontostand näher ist als jede Form von Patriotismus oder ökonomischer Moral.

Dass die AfD den exportorientierten Standort Deutschland bedroht, dass ihr Programm gerade Arbeiterinnen und Arbeitern schadet, ist bekannt. Die Frage ist nur, wann ihre Wählerinnen und Wähler das merken.


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