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Dieser Sparkurs wird teuer

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20.03.2026

Weniger Honorar in der Psychotherapie: Sparen am falschen Ende – Kommentar

Dieser Sparkurs wird teuer

Die Honorare in der ambulanten Psychotherapie sollen um 4,5 Prozent gekürzt werden. Das ist Sparen am falschen Ende; denn es entstehen langfristig eher zusätzliche Kosten für das Gesundheitssystem.

Ja, wir müssen sparen, wenn wir auch in Zukunft ein leistungsfähiges, bezahlbares Gesundheitssystem haben wollen. Doch der Sparkurs, den die Krankenkassen einschlagen, ist zu kurz gedacht. 4,5 Prozent weniger Honorar in der ambulanten Psychotherapie befürworten sie – eigentlich wollten sie sogar 10 Prozent durchsetzen. Natürlich wird das kurzfristig einen finanziellen Puffer schaffen, doch langfristig werden die Kosten für das Gesundheitssystem dadurch nur noch größer.

Versorgungslücke wird größer

Denn offenbar verkennen die Krankenkassen, dass der Bedarf an Psychotherapie zunimmt. Immer mehr Menschen haben psychische Erkrankungen. Es gibt eine erhebliche Versorgungslücke, Patientinnen und Patienten warten teils monatelang auf einen Therapieplatz. Die Honorarkürzungen in der ambulanten Psychotherapie könnten dafür sorgen, dass Praxen schließen müssen, weil sie nicht mehr wirtschaftlich sind. Dass Therapeutinnen und Therapeuten Privatversicherte bevorzugen, weil deren Behandlung höher vergütet wird. Oder aber auch, dass der Beruf unattraktiv wird und der Nachwuchs ausbleibt.

In jedem Fall würde sich die Versorgung gravierend verschlechtern. Patientinnen und Patienten würden länger ausfallen, was den Arbeitsmarkt strapazieren würde. Der wirtschaftliche Schaden wäre groß. Ohne ambulante Hilfe müssten wohl auch mehr Betroffene in Kliniken behandelt werden, was die Kapazitäten dort schmälern würde. Für die Krankenkassen bedeuten Klinikaufenthalte wiederum mehr Ausgaben. Ihr Sparkurs wird ihnen also früher oder später auf die Füße fallen.

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Noch fataler ist jedoch die Botschaft, die die Krankenkassen mit dieser Haltung senden – nämlich, dass sie psychische Erkrankungen nicht ernst nehmen. Damit tragen sie unweigerlich zur Stigmatisierung von psychisch Erkrankten bei. Dabei sind psychische Erkrankungen nichts, was man kleinreden sollte, und auch nichts, wo man den Rotstift ansetzen sollte.


© Dresdner Neueste Nachrichten