Da braut sich was zusammen |
Junge Wähler kehren der Mitte den Rücken: Warum AfD und Linke plötzlich so stark sind
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Junge Frauen wählen eher die Linke, junge Männer die AfD. Gründe sind bei Tiktok und Co, reichen wie armen Eltern sowie den großen Krisen zu finden. Habt Euch nicht so? Für die alten Parteien wird es gefährlich.
Sie sind eine gefährliche Größe für Union, SPD und Grüne geworden: die vielen jungen Wählerinnen und Wähler, die sie verloren haben. Denn deren bevorzugte Parteien sind die Linke und die AfD. Diese Entwicklung wurde schon bei der Bundestagswahl 2025 sichtbar und setzte sich zuletzt in Rheinland-Pfalz fort. Dass die Grünen bei der Wahl in Baden-Württemberg unter den 16- bis 24-Jährigen stärkste Kraft wurden, wird dem Kandidaten Cem Özdemir zugeschrieben. Die Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026″ spricht aber von einer grundsätzlichen Verschiebung des Wahlverhaltens junger Menschen in Richtung der politischen Ränder. Da braut sich was zusammen.
Es wird viel geschimpft über die junge Generation. Bequem sei sie, nicht belastbar. Nach dem Schulabschluss erst einmal chillen und danach Work-Life-Balance, Vier-Tage-Woche, Homeoffice. So sei Deutschlands Wohlstand nicht zu verteidigen, mahnen Arbeitgeber, Politiker oder Mediziner. Unabhängig davon, dass mit dieser Beschreibung zu Unrecht und fahrlässig eine ganze Generation unter Verdacht der Faulheit gerät, stellen sich zwei Fragen. Erstens: Warum wählen sie nicht die Mitte? Und zweitens: Wenn es denn in relevantem Maße zutrifft - warum wollen sie sich nicht anstrengen, wie es ihre Eltern und Großeltern mutmaßlich taten?
Aufstiegsversprechen gebrochen
Zu Punkt eins: Junge Leute informieren sich in den Sozialen Medien. So sind sie groß geworden, so sind sie sozialisiert. Und diese Kanäle bespielen gekonnt Linke und AfD. Das ist wahrlich nichts Neues. Aber die traditionellen Parteien tun sich schwer, dieses Internet für sich zu nutzen.
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Einer der Gründe ist, dass sie - glücklicherweise - staatstragend und auf das politisch Machbare ausgerichtet sind. Das ist jedoch für viele User, die an Überreizung und Überflutung mit brutalen Bildern und Sprüchen gewöhnt sind, stinkend langweilig - wie die altbekannten Parteien selbst. Diese brauchen deshalb junge Profis, die ihre Botschaften in sehr kurze und coole Videos gießen. Das ist nur sehr viel schwerer, als mit Hass und Hetze oder unerfüllbaren sozialen Versprechen Werbung für die eigene Partei zu machen.
Die traditionellen Parteien tun sich schwer, dieses Internet für sich zu nutzen.
Die traditionellen Parteien tun sich schwer, dieses Internet für sich zu nutzen.
Zu Punkt zwei: Deutschlands Wohlstand kann für zwei Gruppen der jungen Generation zum Problem werden. Die Eltern der einen haben so viel Geld, dass sie ihre Kinder bestens ins Leben starten lassen können, mit Bildung, Mobilität, Altersabsicherung durch Erbe. Sich selbst hochzuarbeiten, ist da nicht zwingend nötig. Die anderen haben keinen dieser Vorteile, oft sind es Kinder von Migranten und armen Eltern. Das Bildungs- und Aufstiegsversprechen für alle hat der Staat, dem sie doch vertrauen sollen, längst gebrochen.
Was aber alle in dieser Generation eint: eine Zukunft, die so unsicher ist, wie es die Eltern aus ihrer Jugend nicht kennen. Die Corona-Pandemie war noch nicht überwunden, als Russland die Ukraine überfiel, der Nahost-Krieg hat sich ausgeweitet, jetzt führen die USA mit Israel Krieg gegen den Iran. Der Klimawandel ist in jedem Wald und in jeder Stadt zu spüren. Und alles kommt direkt aufs Handy. Das gräbt sich ein in die Seelen, aber vor allem in die jungen.
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Die Jugend weiß, dass sie sehr lange arbeiten und weniger Rente bekommen wird als ihre Großeltern. Ihre Krankenkasse wird die Leistungen einschränken, ein Eigenheim kann sie aus einem Arbeitsleben kaum noch finanzieren. Nebenbei muss sie einen riesigen Staatsschuldenberg der heutigen Politik abtragen. Und Wehrdienst werden Frauen und Männer vermutlich auch noch leisten müssen. Habt Euch nicht so?
Wenn Union, SPD und Grüne so vielen jungen Menschen keine Sicherheit mehr bieten, werden sie deren bittere Erfahrung machen: die von einer sehr unsicheren eigenen Zukunft.