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Deutschland ist noch keine Apotheken-Wüste

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21.03.2026

Kommentar zum Apothekensterben in Deutschland: Noch keine Apotheken-Wüste

Deutschland ist noch keine Apotheken-Wüste

Ein Streik soll Druck machen, um höhere Vergütungen für Medikamente durchzusetzen. Doch die Tatsache, dass immer mehr Apotheken schließen, hat auch andere Gründe. Und teils sind diese selbst verschuldet.

Ja, die Tendenz ist eindeutig: Die Zahl der Apotheken in Deutschland nimmt seit Jahren ab. Ende 2025 waren es noch rund 16.600 bundesweit, 4500 weniger als 2008. Doch die Gründe für das, was als Apothekensterben vor allem von Apothekern selbst beklagt wird und nun in einem Streiktag mündet, sind vielfältig – und einige durchaus selbst verschuldet.

So kam es nach der Aufhebung der Niederlassungsbeschränkung für Apotheken ab 2004 zu einer gewissen Schwemme. Inzwischen musste so mancher Mitbewerber der Konkurrenz weichen. Das nennt sich Marktwirtschaft. Zur Apotheken-Wüste wird Deutschland deshalb aber noch nicht.

Im ländlichen Raum ist die Situation zwar oft schwieriger, und viele Menschen können Apotheken nur noch per Auto oder Bus erreichen. Die allermeisten schaffen das jedoch in höchstens 15 Minuten Fahrtzeit. Auch das sollte machbar sein.

Hinzu kommt der Siegeszug der Online-Apotheken – einer wachsenden, agilen und von überall zugänglichen Konkurrenz. Immer mehr Menschen nutzen sie und lassen sich Medikamente nach Hause schicken.

Umsatzschwache Niederlassungen fördern

Trotzdem will die Politik auch die niedergelassenen Apotheken stärken: Sie dürfen impfen, sollen mehr Vorsorge und Schnelltests übernehmen und höhere Zuschläge für Nacht- und Notdienste erhalten. Auch die geforderte Vergütungserhöhung pro Medikament soll kommen. Hier mehr zu differenzieren, wäre jedoch sinnvoll – denn vor allem umsatzschwache Apotheken im ländlichen Raum hätten das nötig.

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Fast vergessen scheint angesichts der Apotheker-Forderungen, dass es auch Nestbeschmutzer in den eigenen Reihen gab: Hunderte Apotheken verdienten jahrelang an überteuerten Krebsmedikamenten, was die Krankenkassen 500 Millionen Euro pro Jahr kostete. Der Apotheker, der diese Praxis 2023 öffentlich machte, wurde daraufhin aus dem Zytostatika-Verband ausgeschlossen. Das war keine Eigenwerbung für den Berufsstand.


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