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Wenn der Westen abhängig wird vom Osten

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02.08.2021
Volkswagen betreibt ein Werk in der chinesischen Region Xinjiang, wo Uiguren als Zwangsarbeiter festgehalten werden. Das Unternehmen vermeidet eine Positionierung. Dabei wäre das seine historische Verantwortung. Der Fall zeigt, wie wenig der Westen Chinas Machtstreben entgegensetzt.

Auf YouTube kann man sich ein Video anschauen, in dem Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender bei Volkswagen, bestreitet, zu wissen, was in Xinjiang vor sich geht. Als der Korrespondent der BBC das Kind beim Namen nennt – es geht um „Umerziehungslager“ für circa eine Million Uiguren –, erklärt der VW-Chef: „Ich bin mir dessen nicht bewusst.“ Entweder hatte er sträflicherweise tatsächlich keine Ahnung, was in der Region, in der Volkswagen ein Werk betreibt, vor sich geht – oder er hat gelogen. Das war im Frühjahr 2019, und ein Sprecher des Unternehmens erklärte kurz darauf, Diess sei sich der Lage in der Region „natürlich bewusst“. Dieser Fall ist insbesondere deswegen so heikel, weil Volkswagen ursprünglich von den Nazis gegründet wurde und der Einsatz von Zwangsarbeitern während des Dritten Reichs im damaligen Werk von deutschen Historikern ausführlich dokumentiert wurde.

Es ist interessant, seine Antwort mit einer Äußerung der Präsidentin des Board of Deputies of British Jews zu vergleichen, die sie zu Beginn des Jahres im Zusammenhang mit dem Holocaust-Gedenktag gemacht hat. „Als Gemeinschaft sind wir immer außerordentlich zurückhaltend, wenn es um Vergleiche mit dem Holocaust geht“, schrieb Marie van der Zyl in einem Brief an den britischen Premierminister. Doch gebe es Ähnlichkeiten zwischen dem, was aus China berichtet wird, und dem, was in den 30er- und 40er-Jahren in Nazi-Deutschland geschehen ist. Die Verletzung der Menschenrechte der Uiguren entwickele sich zum „größten Skandal unserer Zeit“.

Volkswagens Dilemma ist auch in anderer Hinsicht bemerkenswert. Das Unternehmen steht beispielhaft für westliche Unternehmen, die so abhängig vom chinesischen Markt geworden sind, dass sie kaum noch auf ihn verzichten können. Der Absatz in China macht mehr........

© Die Welt


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