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Auf Boris Johnson wartet der perfekte Sturm

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16.09.2020
Boris Johnson kann die antieuropäischen Reflexe seiner Mitbürger auf Knopfdruck aktivieren. Doch gilt das auch für die kommenden Herausforderungen? Neben den Verhandlungen mit Brüssel wartet noch ein harter Schlag auf den britischen Premier.

„Unser Land“ und „diese britischen Inseln“. Ganze neun Mal standen diese Begriffe in Boris Johnsons Eröffnungsstatement, als er zu Wochenbeginn im Unterhaus die Notwendigkeit der gezielten Missachtung des von ihm selbst verhandelten und unterschriebenen Brexit-Gesetzes erklärte. Ein Statement, mit dem der britische Premierminister zum finalen Angriff auf die „Freunde und Partner in Europa“ geblasen hat.

Er bezichtigte die Europäische Union, „einen Revolver auf den Tisch zu legen“, „unser Land aufspalten“ zu wollen: „Plötzlich Clotted Cream aus Devon, die ins nordirische Larne gehen soll, mit 100 Prozent Zoll zu belegen“, gar mit der Blockade von Nordirlands Lebensmittelversorgung zu drohen.

Aus kontinentaleuropäischer Perspektive klingt das erstaunlich, aber Johnsons Tour scheint zu funktionieren. Erneut scharen sich die Truppen im Parlament wie auch davor um den charismatischen Regierungschef. Das Unterhaus half dem Gesetzentwurf brav über die erste Hürde.

In Blitzgeschwindigkeit hatte das Narrativ verfangen, dass der Premier zum Schutz des Vereinigten Königreichs nachträglich ein paar „Schutzmaßnahmen“ erlassen muss, weil Brüssels Chefunterhändler Michel Barnier den Briten aus dem im Oktober 2019 geschmiedeten Vertrag im Nachhinein einen Strick drehen wolle.

Johnson vermag die antieuropäischen Reflexe seiner Mitbürger auf Knopfdruck zu aktivieren. Diese Tatsache sollte den Europäern........

© Die Welt


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