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Nie wieder Polizisten als Erfüllungsgehilfen von Antisemiten!

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25.04.2022
Die pro-palästinensische Demonstration in Berlin hat einmal mehr gezeigt: Heute ist der Antisemitismus in Deutschland so verbreitet wie sehr lange nicht mehr – und zeigt seine hässliche Fratze in verschiedenen Tönen. Skandalös war auch das Verhalten der Berliner Polizei.

Wieder einmal gehen hässliche Bilder von einem pro-palästinensischen Aufmarsch aus. Bilder, die denen gleichen, die vor einem Jahr vor der Synagoge in Gelsenkirchen aufgenommen wurden: Demonstranten rufen „dreckiger Jude“ oder „Scheißjude“ und attackieren Journalisten.

Diesmal ist es eine Demonstration, die unter dem Motto „Gegen die israelische Aggression in Jerusalem“ durch die Berliner Stadtteile Kreuzberg und Neukölln zog.

Doch so abstoßend die mehrfach auf Video dokumentierten Szenen sind – überraschen dürfen sie niemanden. Vielmehr beweisen sie einmal mehr, dass der Unterschied zwischen einer zur Weltanschauung erhobenen „Israel-Kritik“ und vulgärem Judenhass im Wesentlichen ein Klassen- und Bildungsunterschied ist:

Abitur-Antisemiten sagen „Apartheidstaat Israel“. Wenn sie ganz auf der Höhe der Zeit sind, kleiden sie ihren „Antizionismus“ gar in ein hippes Gewand: postkolonial, antirassistisch, gendergerecht. Das Schischa-Proletariat hingegen redet frei Schnauze: „Drecksjude“, „Scheißjude“.

Aber es ist nicht so, dass die einen bloß offen aussprechen, was die anderen für sich behalten. Abitur-Antisemiten gleich welcher Provenienz wollen keine sein, sie glauben ihren eigenen Beteuerungen – und merken nicht, dass für sie der Staat Israel den Platz eingenommen hat, dem im Antisemitismus vor Auschwitz das „Weltjudentum“ innehatte. Sie denken nicht das Ressentiment, es denkt in ihnen.

Antisemitismus hat keinen Platz? Schön wär‘s!

Darum ist es richtig, dass Bundesinnenministerin Nancy Faeser und ihre Berliner Amtskollegin Iris Spranger (beide SPD) schnell die Vorfälle verurteilt haben. Doch ihre Verlautbarungen offenbaren im besten Fall Wunschdenken und Hilflosigkeit: „Für Judenfeindlichkeit gibt es in unserer Gesellschaft keinen Platz“, schreibt etwa........

© Die Welt


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