Zur Affäre Taschner: Ja, man darf auch an Gender-Theorien rütteln

„Warum wollen Sie so jemandem eine Bühne bieten?“, fragte unlängst eine Journalistin den Festwochen-Intendanten Milo Rau. Gemeint war der – in vielen seiner Ansichten tatsächlich kritikwürdige – US-Tech-Unternehmer Peter Thiel, doch die Antwort Raus war allgemein gültig: Man wird Meinungen nicht los, indem man ihnen die Bühne verweigert. Verführerisch ist die Attitüde ja: Wer über eine Bühne – allgemeiner: über ein Medium – verfügt, der bestimmt, was dort gespielt und verkündet wird, so ist das eben. Muss es so sein?

Im Theater würde niemand fordern, dem Mephisto oder dem Macbeth „keine Bühne zu bieten“, weil sie schwer Erträgliches tun und/oder sagen. Gewiss, dort werden nur fiktive Konflikte ausgetragen. Doch auch im Diskurs der realen Welt ist es möglich, Meinungen zu ertragen, die man nicht teilt oder die einem sogar zuwider sind. In vielen Zeitungen gibt es daher die Institution des „Kommentars der anderen“. „Quergeschrieben“ heißt eine Kolumne in der „Presse“: Das impliziert, dass dort Meinungen stehen können, die „quer“ zur „Blattlinie“ stehen. Wobei deren Geradlinigkeit schon eine Fiktion ist: Über etliche Themen herrscht in der „Presse“-Redaktion durchaus keine Einigkeit.

Der namhafte, derzeit durch die Absage einer verdienten Ehrung besonders im Licht der Öffentlichkeit stehende Mathematiker Rudolf Taschner war gut ein Jahrzehnt lang ein solcher „Querschreiber“ der „Presse“. Viel gelesen, viel diskutiert, manchmal heftig kritisiert. Manche seiner Kolumnen werden........

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