Wandel durch Handel stößt am Balkan an seine Grenzen
Beginnen wir mit der guten Nachricht: die EU ist auf dem Westbalkan eine Wirtschaftssupermacht – und ihr ökonomisches Gewicht ist im vergangenen Jahrzehnt fast überall gewachsen. Von 2014 bis 2024 stieg der Anteil von Direktinvestitionen aus der EU am jeweiligen Bruttoinlandsprodukt mit Ausnahme Serbiens in allen Kandidatenländern. In Albanien machen Investitionen von Unternehmen aus der EU 2,7 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. In Montenegro sind es gar 5,7 Prozent. Die Abwendung der illiberalen Regierung in Belgrad von der EU spiegelt sich auch darin wider, dass der Anteil der EU-Investitionen am serbischen BIP von 1,6 Prozent auf 0,4 Prozent absackte. China ist an die Stelle der Europäer getreten.
En gros ist die Einbindung der Unternehmen aus diesen sechs Staaten (Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien) eine Erfolgsgeschichte. „Ausländische Direktinvestitionen erleichtern die Integration der Region in europäische und globale Wertschöpfungsketten, unterstützen Kapitalbildung, können produktivitätssteigernde Auswirkungen auf einheimische Firmen haben“, schreiben Madalena Barata da Rocha, Niclas Poitiers und Nina Vujanović in einem neuen Papier für das Brüsseler Forschungsinstitut Bruegel.
„Integration bleibt unvollendet“
Wandel durch Handel, dieses in der jüngeren Vergangenheit in Misskredit geratene geopolitische Konzept, kraft dessen sich die EU durch den Reiz wirtschaftlicher Beziehungen mit ihr Einfluss in Drittstaaten........
