Fußballtrainer? Willkommen in der Schleudersitz-Bundesliga!

Wer von der Schnelllebigkeit des Fußballs spricht, muss sich die österreichische Bundesliga als Beispiel nehmen. Hier wird Kontinuität großgeschrieben; vor allem dann, wenn es darum geht, den Trainer vor die Türe zu setzen, weil die zuvor plakativ ausgelobten Ziele wieder einmal nicht erreicht worden sind. Der Wolfsberger AC ist in dieser Saison marktführend, mit der Freistellung von Ismail Atalan nach dreizehn Spielen, darunter nur ein Sieg, ist mit Thomas Silberberger nun der bereits vierte Coach nach Dietmar Kühbauer (wechselte zum Lask) und Peter Pacult (Aus nach fünf Partien) engagiert.

Warum aber in Österreichs Zwölferliga so schnell die Reißleine gezogen wird, mutet schleierhaft an. Thomas Letsch musste bei Salzburg gehen, Jürgen Säumel bei Sturm Graz; dafür kam Fabio Ingolitsch aus Altach. Peter Stöger und Stefan Kulovits wurden bei Rapid nicht glücklich, Blau-Weiß Linz warf Mitja Mörec als Missverständnis raus. Silberberger war zuletzt bei Admira gescheitert und soll nun die Lavanttaler Wölfe heulen lassen. Hört man sich genauer um, ist Manfred Schmids Vertragsverlängerung in Hartberg aufgrund finanzieller Wirren unklar. Am Verteilerkreis ist Stephan Helm stets der erste Name, der auf der Wechselliste auftaucht, sollte der Erfolg ausbleiben. Wer am längsten in Favoriten durchgehalten hat, muss ein „Sir“ und sehr hart im Nehmen sein: Karl Daxbacher blieb drei Jahre und sieben Monate lang als FAK-Rekordhalter im Amt.

Erst Feuerwehr, dann Wundermann

In Österreich ist der entthronte Cupsieger damit in dieser Saison unübertroffen, aber im Allzeit-Ranking nicht die Nummer 1. Laut transfermarkt.at ist der Lask die Nummer 1. Gezählt wurde seit der Saison 1974/75. Stolze 59 Betreuer werden angeführt. Der Fairness halber: Es sind in dieser Zählung auch Interimslösungen inkludiert.

Vermutlich Allzeitrekordler für die kürzeste Beschäftigung überhaupt bleibt der viel zu früh verstorbene Dietmar Constantini († 2024). Am 1. Juli 1998 wurde er um 10 Uhr bei Vorwärts Steyr als neuer Trainer präsentiert. Der Klubpräsident freute sich. Um 14 Uhr platzte der Mäzen, ein Baumeister, ins Sekretariat und soll Rudi Eggenberger als Coach reklamiert haben. Dem habe er längst zugesagt. Also fuhr Constantini, landesweit als „Feuerwehr-Mann“ für heikle Klubfälle bekannt, wieder nach Tirol. Und Eggenberger war im Winter seinen Job los, weil Jürgen „Wundermann“ Sundermann der nächste Retter sein sollte.

Die Folge? Steyr stieg schneller als gedacht aus der Bundesliga ab. Das ist die gelebte Schnelllebigkeit dieser Schleudersitz-Liga.

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