Dietmar Kühbauer: Er ist der José Mourinho von Österreich
Dietmar Kühbauer polarisiert. Dazwischen gibt es nichts. Entweder man bewundert den Fußball-Trainer, der mit markanten Sprüchen, offensiver Rhetorik und effizientem Spiel mit dem Lask von Erfolg zu Erfolg eilt, oder man kann mit dem Burgenländer rein gar nichts anfangen, weil Art und Methode seit jeher ein endloser Grenzgang sind. Schon als Fußballer kannte man in Bezug auf ihn nur Schwarz oder Weiß, mit Zuckerlrosa wäre der 54-Jährige auch selbst unzufrieden. Er will Klarheit, er sagt alles, ausnahmslos, direkt. Er versteckt sich nicht, vor keinem – nicht einmal vor berüchtigten Rieder Fans, die keiner reizen will. Kühbauer mutet an wie ein Vulkan. Seine Explosionen können aufrütteln und mitreißen. Manch einer aber interpretiert das vielleicht als gar zu extrem.
In Linz rollen sie dem Trainer, der vergangenen Oktober von Cupsieger WAC, damals sogar Tabellenzweiter, nach Linz zurückgekehrt ist, um zu vollenden, was er 2023 nach seiner Entlassung zurücklassen musste. Er fand beim Vorletzten einen Haufen verunsicherter Spieler in einem modernen Stadion vor und mit Siegmund Gruber einen Geschäftsführer, der genauso denkt wie er. Was sich die beiden wohl an den Kopf geworfen haben, als sie sich ausgesöhnt und auf einen zweite Kühbauer-Ära beim Lask verständigt haben? Die Entscheidung trägt Früchte: Österreichs erster Fußballmeister, der 1965 nicht aus Wien kam, steht im Cupfinale und trifft am 1. Mai auf Altach. Die Athletiker spielen in der Meistergruppe, sind Tabellenzweiter – und es würde einem Märchen gleichen, könnte man das damalige Double nun wiederholen.
Ried-„Fans“ wollten zu Kühbauer stürmen
Mit Kühbauer an der Seitenlinie rückt jedenfalls die Mannschaft aus jeder Kritik. Er absorbiert jede negative Energie, reibt sich, scheinbar in Genuss, an Nörglern und Widersachern. Dabei unsportlich zu glänzen und etwa Ried-Trainer Maximilian Senft den Handshake zu verweigern, scheint Teil seiner gewählt-geliebten Rolle als „Bösewicht“ zu sein. Geraten für ihn Emotionen, Beschimpfungen, Bierduschen und Provokationen zu weit, gibt es kein Zurück mehr. Dann kennt einer wie Kühbauer nur den Weg nach vorne, in die erste Reihe.
Laut, impulsiv, giftig. Der Vergleich hält: Er erinnert in seinem Wesen an José Mourinho, der auch vor keinem Konflikt zurückschreckt und wirklich jedes Stilmittel bemüht, um Erfolg zu haben. Popularitäts- und Schönheitspreise sind damit freilich nicht zu gewinnen, die lehnt Kühbauer vermutlich ohnehin ab.
Dennoch, zwei Riedern sollte er trotzdem umgehend die Hand reichen. Torhüter Andreas Leitner und Sportchef Wolfgang Fiala verhinderten eine Eskalation, die Österreichs Fußball nachhaltig geschädigt und verändert hätte. Wären die vermummten Ried-Hooligans bis zu Kühbauer gestürmt, wäre Schlimmeres passiert. Dass der Ordnerdienst kapital versagt hat, ist das eine. Mut und Ratio der beiden, die alles verhindert haben, ist das andere. Es passt wunderbar zu Kühbauer. Er braucht das – und spielt mit dem Extrem der Emotionen.
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