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300.000 Euro: Streit über die Förderung des Linzer Tennisturniers

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Es ist die größte Frauensportveranstaltung in Österreich, zugleich nach Stuttgart/Filderstadt das zweitälteste WTA-Hallen-Event der Welt. Was einst im Tenniscenter Wels Rosenau begann unter der Führung von Peter-Michel Reichel, der dort 1987 die allererste Hallenmeisterschaft für Frauen organisierte, ist nunmehr seit 1991 nicht nur für Barbara Schett ein jährlicher Fixpunkt im Tenniskalender: Das Tennisturnier in Linz. Martina Navratilova, Venus oder Serena Williams, Maria Sharapova, Ana Ivanovic oder Aryna Sabalenka haben hier schon aufgeschlagen, mit Stolz kann Turnierchefin Sandra Reichel fürwahr auf eine lange Liste großer Spielerinnen, Siegerinnen und profunder Feste zurückblicken. Es ist eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte, mit tiefen familiären Wurzeln. Wider die Skepsis hat sich Österreich in der Turnierlandkarte der Tenniswelt verankert.

Seit 2024 firmiert das Turnier nun in der WTA-500-Riege, das verlangt höheres Preisgeld (1,206.446 Millionen Dollar), die Siegerin erhält 161.310 Dollar. Die 35. Auflage bestreitet man erstmals auf Sand., man erwartet ein Spektakel Dass zeitgleich zu Ostern der „Billie Jean King Cup“, das Pendant zum Davis-Cup, stattfindet, mag eine unglückliche Überschneidung sein. Da Julia Grabher, Anastasia Potapova, Sinja Kraus und Lilli Tagger (Wildcard) in Linz antreten, muss über den höheren Stellenwert nicht gerätselt werden. Für den Tennisverband ÖTV ist das durchaus ein Wink mit dem Zaunpfahl.

„Veranstaltung mit besonderer Bedeutung“

Mit der TV-Übertragung in 150 Länder ist eigentlich alles angerichtet im Linzer Design-Center, doch nun prangert Turnierchefin Sandra Reichel die seit längerem bereits bekannte Streichung von 300.000 Euro Förderung durch den Bund an – und serviert damit ihr Turnier als politischen Spielball. Die einen wettern, dass die Streichung seitens des Sportministeriums (SPÖ) für ein Turnier mit jährlich steigender Millionen-Dotation, insbesondere in Sparzeiten, vollkommen richtig sei. Die Stadt Linz (ÖVP) sowie das Bundesland Oberösterreich fördern „ein Prestigeturnier mit Vorbildwirkung“ weiter. Die FPÖ lehnt eine Unterstützung des Turniers mit 44 Spielerinnen ab.

Österreichs wichtigstes Frauentennisturnier erhält jedenfalls keine Bundesgelder mehr, weil Sportminister Andreas Babler nur noch eine WM oder EM sowie laut Austria-Presse-Agentur „Veranstaltungen mit besonderer Bedeutung“ unterstützt. Linz diesen Stellenwert tatsächlich abzusprechen, nach 35 Jahren, ist ein harter Schlag sowie ein verheerendes Signal für den Frauensport generell.

Dass Reichel seit 2017 vergebens einen Namensgeber respektive Hauptsponsor sucht für die „Upper Austria Ladies Linz“ und trotzdem seit 2024 zu erhöhten Kosten als WTA-500-Event ins Rennen schickt, darf in der für Steuerzahler relevanten Betrachtung nicht außer Acht gelassen werden.

E-Mails: markku.datler@diepresse.obfuscationcom

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