Mein Ein und Alles

Es gibt da diese Szene in dem Film „Vergiss mein nicht!“ aus dem Jahr 2004. Joel (Jim Carrey) erfährt, dass sich seine Ex-Freundin Clementine (Kate Winslet) einem experimentellen Verfahren unterzogen hat, um die Erinnerungen an die Beziehung mit ihm aus ihrem Gedächtnis zu löschen. Joel ist fassungslos. Kann nicht glauben, was er da hört. Als er ihr zufällig in einer Buchhandlung begegnet, erkennt sie ihn nicht einmal. Behandelt ihn wie einen Fremden. Als hätte es ihn in ihrer Welt nie gegeben. Als hätte sie sich nie in ihn verliebt. Als hätte sie nie das Bett und intimste Gedanken mit ihm geteilt.

Was für ein großartiges filmisches Mittel, um die unsäglichen Qualen der Rückabwicklung einer Beziehung zu veranschaulichen – auch bekannt als Trennung. Nicht irgendeine, sondern die, die so schmerzhaft und erschütternd ist, dass es für dich seither ein Leben davor und eines danach gibt. Wer diese Erfahrung schon gemacht hat, kennt die Frage, die einem früher oder später gestellt wird: Was war das Schlimmste daran? Welches Ereignis hat dich am meisten verletzt?

Nun, wo soll man da anfangen? War es jener Nachmittag, an dem dir zum ersten Mal aufgefallen ist, dass sie deinen Ring nicht mehr trägt, den sie seit dem Tag des Ansteckens kein einziges Mal abgelegt hat und bis vor Kurzem mit Zähnen und Klauen verteidigt hätte? War es jene Nacht, in der sie unmittelbar nach dem Trennungsgespräch die Wohnung verließ, um mit jemandem über deine Reaktion und über ihre Gefühle zu reden, sodass dir schlagartig klar wurde, dass du unbemerkt von der Hauptfigur in ihrem Leben zu einem Statisten degradiert worden bist? War es jener Morgen, an dem du beim Ausmisten der Schubladen all die Briefe gefunden hast, die du ihr im Laufe der Jahre zu besonderen Anlässen geschrieben hattest, und die sie beim Auszug zurückgelassen hat – zusammen mit all den Erinnerungen an dich und eure gemeinsame Zeit?

Nein, das Schmerzhafteste war etwas anderes. Etwas, das du nur zu gern aus deinem Gedächtnis löschen würdest, wenn du könntest. Und zwar jener Abend, an dem du in der Spiegelung ihres Smartphone-Displays auf einem Cocktailglas gesehen hast, dass sie dich unter deinem Vor- und Nachnamen eingespeichert hat. Wie irgendeinen ihrer Hunderten Kontakte. Was dort früher einmal gestanden ist? Mein Ein und Alles.

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