Trump hofft auf einen Blitzkrieg im Iran, das Mullah-Regime setzt auf Zeit |
Donald Trump sagt viel, wenn der Tag lang ist. Und so verstrickt er sich allein schon rhetorisch immer tiefer in den Iran-Krieg. In einem seiner zahlreichen Spontan-Interviews gab der US-Präsident nun allen Ernstes zu Protokoll, dass er mitbestimmen wolle, wer der nächste Anführer im Iran sein werde. Wie jetzt? Beansprucht Trump einen Sitz im 88-köpfigen Expertenrat, der den nächsten Revolutionsführer wählt? Oder will er eine Casting-Show dazu veranstalten, wer die Macht in Teheran übernimmt?
Plumpes imperialistisches Denken
Plumper hat sich imperialistisches Denken in diesem Jahrhundert kaum geäußert. Wie sehr die Amerikaner auch behilflich sein mögen, das Unrechtsregime ins Wanken zu bringen: Es bleibt natürlich allein Angelegenheit der iranischen Bevölkerung, zu regeln, wer sie künftig regieren soll.
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Israel und den USA ist es zwar in einem Enthauptungsschlag gleich zu Kriegsbeginn gelungen, den Obersten Führer sowie Spitzen des Militär- und Sicherheitsapparats zu beseitigen. Das Regime ist dadurch sicherlich geschwächt, doch gefallen ist es noch lange nicht. Das wird auch mit Luftangriffen allein nicht möglich sein. Bisher jedenfalls sind nicht einmal ansatzweise Risse im iranischen Machtgefüge zu erkennen.
Fassen die Menschen im Iran wieder Mut?
Entscheidend wird sein, ob sich die heterogene iranische Protestbewegung nach den Bombardements wieder auf die Straße traut. Den mutigen Menschen im Iran sitzt noch das Drama zu Beginn des Jahres in den Knochen, als die Mullahs Zehntausende Demonstranten niedermetzeln ließen. Ein Zusammenbruch des auf mehreren Säulen ruhenden Regimes erscheint derzeit eher unwahrscheinlich. Doch Kriege haben ihre eigene, unberechenbare Dynamik. Letztlich weiß niemand, wie es im Iran weitergeht, weder Trump noch seine Kritiker.
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Für das iranische Regime ist es schon ein Sieg, wenn es überlebt. Die Mullahs verfolgen die Strategie, die Kosten des Krieges in die Höhe zu treiben. Deshalb sperren sie die Straße von Hormus und treiben damit den Ölpreis hoch. Und deshalb feuern sie fast wahllos auf US-Verbündete in der Region. So soll Druck auf Trump entstehen, den Krieg zu beenden. Ein zweischneidiges Kalkül, denn die Iraner bringen damit die Nachbarn gegen sich auf und schnüren sich selbst die Lebensader ab. Doch angeblich starteten die Türkei und einzelne Golfstaaten bereits Vermittlungsinitiativen. Dem Kapitulationsaufruf Trumps werden die Mullahs kaum folgen. Ihre beste Verbündete ist die Zeit. Die US-Republikaner können sich vor der Kongresswahl im November keinen langwierigen, unbeliebten Krieg leisten.
Das reine rhetorische Chaos
Trump und seine Regierung schieben fast jeden Tag ein anderes Ziel ihrer Militäraktion in den Vordergrund. Einmal geht es um die Ausschaltung des Atom- und Raketenprogramms, dann wieder um den Sturz des Regimes. Zwischendurch streitet US-Verteidigungsminister Peter Hegseth ab, dass die USA einen Regimewechsel herbeiführen wollen. Und auch das Modell Venezuela, die Zusammenarbeit mit Teilen des Regimes also, blitzt immer wieder als Möglichkeit auf. Das reine rhetorische Chaos.
Unklare Strategien haben in Kriegen meist fatale Folgen. Die wolkige Unbestimmtheit könnte sich aber auch noch als vorteilhaft erweisen. Denn sie gäbe Trump die Möglichkeit, irgendwann die Reißleine zu ziehen und die Zerstörung der militärischen und nuklearen Kapazitäten des Iran zum Sieg zu erklären. Sollte dann noch das Mullah-Regime intakt sein, wälzt er die Verantwortung dafür auf das Volk im Iran ab. Nur wird ihm das niemand mehr abnehmen, wenn Trump noch oft sagt, dass er bestimmen will, wer im Iran regiert.
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