Falke und Schneemann |
PUERTO PLATA – Dominikanische Republik, 19. Februar 1997: Ausgerechnet jener Mann, der wie kein zweiter Lebender zu Wien gehört, feiert den 40. Geburtstag fern der eigenen Wurzeln in seiner neuen karibischen Wahlheimat – einem Südseeparadies, „wo mi net jeder blöd auf der Straßen anquatscht“. Die großen Welterfolge liegen bereits ein gutes Jahrzehnt zurück. Doch mit gewohnt großer Falco-Geste lädt Johann Hölzel zum berauschenden Fest, auf dem er Edelgästen wie Niki Lauda sein großes Comeback ankündigt. Zum Beweis spielt er ein paar Nummern aus dem in Kürze geplanten Comeback-Album „Out Of The Dark – Into The Light“.
Muss ich erst sterben, um zu leben?
Die geplante, triumphale Rückkehr war ihm jedoch leider verwehrt. Denn erleben sollte er das endgültige Einmeißeln seines Namens in den Stein der Musikgeschichte nicht mehr. „Muss ich erst sterben, um zu leben?“ heißt es im Text, und noch vor der Veröffentlichung starb Falco bei einem Autounfall im Drogenrausch. Nun ist sein Kulthit „Jeanny“ 40 Jahre alt geworden – Grund genug für ein kritisch gebeugtes Knie vor einem Musiker, der zwar nicht immer für seine Mitmenschen, wohl aber für die Kunst, ein Glücksfall war.
Sein dekadentes Alter Ego „Falco“ (den Namen nimmt er vom DDR-Skispringer Falko Weißpflog, nachdem dieser in einer Sportreportage „Überflieger“ genannt wurde) passt perfekt in die Yuppie-80er voller Schampus, Prozac und Koks. Unterhalb dieser Oberfläche lauert indes das Subversive, die Halbwelt und die pure Lust am Zerfetzen bürgerlicher Bigotterie. Gemeinhin bezeichnet man ihn als „ersten weißen Gangsterrapper“. Das Kompliment stimmt immerhin zur Hälfte: Lou Reed etwa experimentierte deutlich früher mit Stories voller Sex, Drogen und Verbrechen samt Vocals zwischen Rap, Scat und Sprechgesang. Doch für Deutschland und Europa ist der Wiener in der Tat dieser Genrepionier.
Ein paar essenzielle Lieder braucht man unbedingt,
um Falcos libertinistisch-nihilistischen Geist nachzuempfinden. Allen voran „Der Kommissar“. Dieser erste seiner drei Überhits mischt eiskalten New Wave mit heißem Funk und rotzfrechem Rap-Geschnö. Die Zeilen weisen ihn als extrem cleveren Texter von Weltklasseformat aus. Sie triefen vor sprachlichem Witz und sarkastischer Doppelbödigkeit. Herrlich, mit welch ebenso distanzloser wie maßlos frecher Häme er das essenzielle Gesetz des Schweigens, die Omertà, pointiert: „Er hat die Kraft und mir san klaan und dumm, und dieser Frust macht uns stumm.“ Gestartet als launige Hommage an Österreichs legendäre Anarcho-Krimireihe „Kottan ermittelt“ samt Hauptdarsteller Lukas Resetarits, landet der Track einen internationalen Hit.
Präzise gesetzte Kälte.
„Der Kommissar“ zeigt Sprache als klingenscharfes Instrument, anstelle von Dekoration.
In „Ganz Wien“ hängt sodann die gesamte Stadt an der Nadel und........