Vom Öko zum Supermarktkunden

Der Einkauf von Lebensmitteln ist seit jeher eine Herausforderung. Der Supermarkt ist kein angenehmer Ort. Komisches Licht, viel zu viel Auswahl in buntgrellen Farben. Werberadio mit schrecklicher Musik. Gehetzte Menschen, Fertiggerichte, billig produzierte Rezeptprospekte. Es war einfach nie meine Welt. Ich reagierte mit Phobien. Und die Originalität eines Discounters war auch nicht aufgeboten. Blickdichte Strumpfhosen zwischen frischem Obst hätten das Einkauferlebnis durchaus auflockern können.

Ich mied also den Supermarkt wie der Teufel das Weihwasser. Obwohl: der Speck bei Penny in den 1980er Jahren in Hamburg-Dulsberg und die Tomatenmarkdosen, die es beinahe umsonst gab – das war schon großartig! Aber ich möchte mich nicht mit zu vernachlässigenden „Fehlern“ meiner vergangenen Kaufgewohnheiten beschäftigen.

Es waren Menschen mit Weitblick, die mir angesichts meiner angeschlagenen Psyche den Besuch von Bioläden nahelegten. Es waren die Frauen meiner Generation, die mir dahingehend viel beibringen und zeigen konnten.

Die Flucht vor dem Parfümgeruch!

Mich besuchten die Mädels aus südlichen Bundesländern, um mir Bioläden (heute geschlossene Legenden) in meiner Stadt zu zeigen. Eine dieser Frauen war die Schwester einer gewissen Karita S., welche tatsächlich bei der Caritas arbeitete und somit eine Expertise als Beraterin aufwies, die keiner weiteren Prüfung eines männlichen Klugscheißers bedurfte.

Diese kleinen nicht selten in Kellern versteckten Geschäfte rochen verdammt gut. Zwar nicht nach Räucherstäbchen, wie bei meinen Freundinnen daheim, aber nach Erde, Holz, frischem Obst und Gemüse. Auf wundervollen, zum Glück nicht astreinen Holzregalen, standen nie gesehene Honigsorten in Gläsern, mit einem fein gepflegten Staubfell über den Deckeln. Schon damals redete diese sog. „Öko-Szene“ ständig von Marmelade und Honig, dabei blieben diese Waren stets dekorative Ladenhüter.

Aber für einige Einkaufsminuten war man geschützt vor der Welt da draußen, in der........

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