Die Plausibilität der Gottesthese

In einer arte-Sendung über die Frage, ob der Glaube glücklich macht, habe ich einen Satz gesagt, der die Gemüter offenbar bewegt, er wurde im Teaser in der Mediathek zitiert, in Hinweistexten auf verschiedenen Portalen und unsere Sonntagskolumnistin Chris Kaiser hat er zu einer eigenen Kolumne angeregt: „Die Gottesthese ist nicht weniger plausibel als die atheistische These“.

Eigentlich ist der Satz noch zu vorsichtig formuliert, eigentlich müsste ich sagen: „Die These, dass es einen Gott gibt, hat viel mehr Plausibilität als die These, dass er nicht existiert.“ Das Problem ist, dass ich trotz jahrelangem Nachdenken über diese Frage, die zuerst zu meinem Buch „Der plausible Gott“ und dann zu einigen weiteren Vorträgen und Aufsätzen zu dieser Frage geführt hat, selbst keinen sicheren Glauben an Gott gefunden habe. Ich lebe in dem Dilemma, dass ich durch dieses Nachdenken einerseits zu der Überzeugung gekommen bin, dass die Welt, wie sie ist, nur verständlich ist, wenn ich das Wirken eines Gottes annehme, andererseits aber keine Gewissheit über die Anwesenheit dieses Gottes empfinde. Deshalb bleibt meine Formulierung ausgeglichen und vorsichtig.

Was heißt „plausibel“?

Wenn es eine Reihe von ganz unterschiedlichen Beobachtungen und Tatsachen gibt, die letztlich unerklärlich sind, diese alle aber durch die These der Existenz eines bestimmten Dings oder Wesens oder Objektes oder – im ganz ursprünglichen Sinn – Subjektes (lateinisch subiectum, Übersetzung des altgriechischen ὑποκείμενον hypokeímenon – das Zugrundeliegende) verständlich werden, dann ist es plausibel, die Existenz dieses Subjektes anzunehmen, auch wenn man es selbst nicht sehen kann. Dass die Beobachtungen und Tatsachen verständlich werden, besagt dann aber auch, dass man über dieses plausible Subjekt mehr sagen kann, als dass es einfach irgendwie existiert. Verständlich werden die Dinge nur, wenn man ein bestimmtes Subjekt annimmt – also doch wieder etwas anderes als das selbst Eigenschaftslose ὑποκείμενον bei Aristoteles, aber das nur nebenbei.

Die Gesetzmäßigkeiten

Was sind nun die grundsätzlich unerklärlichen Beobachtungen? Gern mein man ja, die moderne Naturwissenschaft könne doch irgendwann alles erklären, und Gott wäre nur der Lückenfüller für das, was sie bisher und vorläufig noch nicht erklärt habe. Das scheint mir aber nicht der Fall zu sein – die Naturwissenschaft setzt vielmehr........

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