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Frankfurt HBF, Montagmorgen

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01.08.2019

Der Grat zwischen ehrlicher Betroffenheit und ordinärer Fremdenfeindlichkeit ist im Netz oft ein schmaler, sagt Kolumnist Henning Hirsch

Am vergangenen Montag gegen 10 Uhr morgens ereignete sich auf Gleis 7 des Frankfurter Hauptbahnhofs ein grauenvolles Verbrechen: Ein 40jähriger Mann eritreischer Herkunft stieß eine Mutter und deren acht Jahre alten Sohn, sich ihnen heimtückisch von hinten nähernd, von der Bahnsteigkante vor einen einfahrenden Zug. Während sich die Frau in letzter Sekunde durch seitliches Wegrollen retten konnte, gelang dies dem Kind nicht. Es wurde von der Lokomotive erfasst und zermalmt. Nachdem der Täter, nun allerdings erfolglos, versucht hatte, eine dritte Person ins Gleisbett zu schubsen, floh er, wurde von geistesgegenwärtigen Zeugen verfolgt, die ihn ein paar hundert Meter weiter stellten, beherzt überwältigten und an die nun herbeieilende Polizei übergaben. So weit – so fürchterlich.

Minuten später verbreitete sich die Nachricht dieser Tragödie wie ein Lauffeuer im Netz. Im Sekundentakt wurden Beileidsbekundungen, Betroffenheitsadressen, Wie-schlimm-man-sowas-findet-Texte gepostet, sich Sorgen darum gemacht, ob die Mutter diesen Schock wohl jemals verarbeiten wird. Alles in Ordnung. Auch ich dachte im ersten Moment mit Schaudern daran, was mir und meinen Kindern, wenn wir im Kölner Hauptbahnhof hin und wieder auf die S-Bahn warten, doch so alles passieren könnte.

Man musste nicht lange Ausschau halten bis in Facebook & Twitter das geschah, was immer geschieht, wenn der Täter über einen Migrationshintergrund verfügt und eine dunkle Hautfarbe spazieren trägt: die Gerüchteküche begann zu brodeln, köchelte, erhitzte zunehmend, bis........

© Die Kolumnisten