Die Würde des Scheiterns
Vor zwei Wochen veröffentlichte ich die Kolumne Wenn die Flasche das Drehbuch schreibt. Unter den Kommentaren fand sich dieser Hinweis eines Lesers:
Die Verfilmung von Joseph Roths Die Legende vom heiligen Trinker mit Rutger Hauer ist ebenfalls sehr gelungen – leider viel zu unbekannt.
Die Verfilmung von Joseph Roths Die Legende vom heiligen Trinker mit Rutger Hauer ist ebenfalls sehr gelungen – leider viel zu unbekannt.
Da fiel es mir wieder ein: Vor vielen Jahren hielt ich die Novelle schon mal in den Händen. Ich hatte sie damals aus dem Bücherregal einer Suchtklinik gezogen und im Raucherzimmer bei flackerndem Neonlicht mit zittrigen Fingern überflogen. An die Handlung erinnerte ich mich nur noch schemenhaft. Das mag einerseits an den fast zwanzig Jahren liegen, die seither vergangen sind. Andererseits verschwimmt vieles, was ich in jener Zeit unter Alkohol oder im Entzug erlebt, gelesen oder gedacht habe, hinter einer Nebelwand, die ich gar nicht immer lichten möchte.
Also bestellte ich das schmale Büchlein kurzerhand bei Amazon. (Ich weiß: Eigentlich sollte man stattdessen den örtlichen Buchhandel unterstützen. Bei knapp 40 Grad siegte allerdings die Bequemlichkeit.). Diesmal war ich an 1 Abend mit der Geschichte durch. Ohne Alkohol oder Benzodiazepine im Blut geht das eben deutlich schneller – und außerdem erzählt Roth mit einer sprachlichen Eleganz und Leichtigkeit, die einen förmlich durch die Seiten trägt.
Hier meine Rezension:
Leben zwischen Monarchie und Exil
Joseph Roth (1894–1939) wurde im galizischen Brody geboren, das damals zur österreichisch-ungarischen Monarchie gehörte und heute in der Ukraine liegt. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er als Journalist und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller seiner Zeit. Werke wie Hiob und........
