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Die Sonnenmilchpenis-Smoothie-Kolumne

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21.08.2019

Wie provokativ und grenzüberschreitend darf Werbung sein, fragt Kolumnist Henning Hirsch

Ich möchte vorausschicken, dass ich kein Smoothie-Konsument bin. Der Generation der alten, weißen, schlecht gelaunten Cis-Männer angehörend, sind die einzigen Mischgetränke, die ich kenne, Whisky-Cola, Bloody Mary und Gin Tonic. Die trinke ich allerdings bereits seit zwanzig Jahren nicht mehr und alles andere bloß pur. Ich käme nicht im Traum auf die Idee, Drinks, die auf Namen wie Apfelstrudel, Lemon Cheescake oder Triple yellow lauten, in mich reinzukippen. Dies vorangestellt, möchte ich nun mit der eigentlichen Kolumne beginnen.

Das kleine Bonner Unternehmen True Fruits ist, betriebswirtschaftlich betrachtet, eine Erfolgsstory. Gestartet 2006 als Start-up dreier Bonner Studenten, erwirtschaftet die Firma heute, gemäß eigener Angaben, mit 31 Mitarbeitern einen Jahresumsatz in Höhe von 40 Mio. Euro. Was in Bezug auf die Kennzahl Umsatz pro Mitarbeiter schon bemerkenswert ist. True Fruits setzte von Anfang an auf vegan (keine Stabilisatoren, Farbstoffe oder zugesetzten Zucker) und die Glasflasche, erhielt für deren Formgebung und Beschriftung einen Design Award. Der Vertrieb geschah anfangs über Clubs und Discotheken, dann entdeckte man die pürierten Säfte ebenfalls in den Kühlregalen der regionalen Tankstellen, und mittlerweile gehören die Nicht-Durstlöscher zum Standardrepertoire der LEH-Filialisten.

Bei der Werbung wurde auf pfiffige Texte geachtet. Wie beispielsweise:

Man hat Batman und diesen Smoothie noch nie zusammen in einem Raum gesehen

Grünzeug trinken statt rauchen

Die Farbe dieses Produkts ähnelt Einhornkotze

Oralverzehr – schneller kommst du nicht zum Samengenuss

Bis hierhin alles wunderbar und im grünen Bereich.

Aus Beweggründen, die bisher nicht abschließend erforscht sind, entschied man sich vor zwei Jahren bei einer in Österreich laufenden Kampagne dazu, das Provokationslevel drastisch hochzufahren. Nunmehr gab’s Slogans wie diese:

Schafft es selten über die Grenze

Noch mehr Flaschen aus dem Ausland

Unser Quotenschwarzer

zu lesen. Bildlich dargestellt mittels einer mit großem rotem X durchgestrichenen schwarzen Flasche (welche Geschmackssorte sich dahinter verbirgt: keine Ahnung).

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: die einen jubelten, die anderen schäumten. Von rassistischen Motiven und Flüchtlingsbashing war die Rede. Wir lassen uns von euch den Mund nicht verbieten, kam von der entgegengesetzten Seite zurück. Und die Strategen der Unternehmenskommunikation setzten noch einen........

© Die Kolumnisten