Der perfekte Plan scheitert am Menschen

„Kennst du schon ‚Haus des Geldes‘, Papa?“ „Nein.“ „Diese Serie MUSST du UNBEDINGT sehen, wenn du mitreden willst.“ „Okay, werde ich tun.“ (c) Dialog mit meiner Tochter im Skiurlaub 2020/21, während wir gemeinsam im Sessellift sitzen

„Kennst du schon ‚Haus des Geldes‘, Papa?“ „Nein.“ „Diese Serie MUSST du UNBEDINGT sehen, wenn du mitreden willst.“ „Okay, werde ich tun.“ (c) Dialog mit meiner Tochter im Skiurlaub 2020/21, während wir gemeinsam im Sessellift sitzen

Es dauerte dann zwar über 5 Jahre, bis ich mir die Serie angeschaut habe; aber es hat sich wirklich gelohnt.

Beginnen wir ganz konventionell mit der Inhaltsangabe:

Ein Überfall entwickelt sich zur Tragödie

Die Handlung von Haus des Geldes (La casa de papel …. wörtl. Übersetzung = Das Papierhaus) setzt mit einer genialen Idee – bereits an dieser frühen Stelle des Textes ein großes Lob an den Schöpfer der Serie: Álex Pina – ein: Ein Mann, der sich „Der Professor“ (Álvaro Morte) nennt, entwickelt über Jahre hinweg den Plan für einen perfekten Raub – ohne klassischen Diebstahl. Statt Geld zu stehlen, will er es selbst herstellen. Dafür rekrutiert er acht Kriminelle, die gescheitert sind und am Rand der Gesellschaft stehen. Sie haben nichts zu verlieren – und sind bereit, alles zu riskieren.

Um persönliche Bindungen zu vermeiden, geben sich alle Codenamen nach Städten:

Tokyo (Úrsula Corberó), impulsiv, emotional und unberechenbar, fungiert als Erzählerin und emotionales Zentrum der Geschichte.

Berlin (Pedro Alonso), der Halbbruder des Professors, ist im Inneren der Bank die dominante Führungsfigur – brillant, aber skrupellos und zunehmend unberechenbar.

Nairobi (Alba Flores) leitet die Geldproduktion und verkörpert Optimismus und Zusammenhalt.

Rio (Miguel Herrán) ist der junge Hacker, dessen Beziehung zu Tokyo früh zur emotionalen Sollbruchstelle wird.

Denver (Jaime Lorente) bringt eine rohe, ungestüme Energie mit, während sein Vater Moskau (Paco Tous) als erfahrener Tunnelbauer für Bodenhaftung sorgt.

Helsinki (Darko Perić) und Oslo (Roberto García Ruiz) bilden die physische Durchsetzungskraft der Gruppe.

Der Überfall auf die staatliche Banknotendruckerei in Madrid folgt einem minutiös ausgearbeiteten Drehbuch: Die Gruppe nimmt Geiseln, kontrolliert die Kommunikation nach außen und beginnt, Milliarden Euro zu drucken. Der eigentliche Coup besteht darin, Zeit zu gewinnen – Zeit, um Geld zu produzieren, während Polizei und Öffentlichkeit in ein komplexes Täuschungsmanöver verstrickt werden.

Parallel dazu operiert der Professor im Verborgenen. Von außen steuert er die Ereignisse, manipuliert Informationen und beeinflusst gezielt die Ermittlungen. Im Zentrum steht dabei die leitende Inspektorin Raquel Murillo (Itziar Ituño), mit der er – zunächst als Teil seines Plans – eine persönliche Beziehung aufbaut. Was als kalkulierte Nähe beginnt, entwickelt sich zu einer echten emotionalen Verbindung – und wird damit selbst zum Risiko.

Je länger der Überfall dauert, desto stärker zerfällt die Illusion von Kontrolle. Die klaren Regeln des Professors – keine persönlichen Beziehungen, keine unüberlegten Handlungen – werden zunehmend gebrochen. Tokyos Impulsivität, Berlins Machtansprüche, Rios Unerfahrenheit und die wachsende Angst innerhalb der Gruppe führen zu Spannungen, die den Plan immer wieder gefährden. Auch unter den Geiseln entstehen Dynamiken, die sich kaum noch kontrollieren lassen.

Der Druck steigt immer mehr: Polizei und Militär verschärfen ihre Maßnahmen, die Medien inszenieren den Überfall als nationales Drama, und die öffentliche Meinung schwankt zwischen Faszination und Empörung. Gleichzeitig gelingt es der Gruppe immer wieder, die Situation im letzten Moment zu ihren Gunsten zu wenden – zuvorderst durch psychologische Tricks und gezielte Inszenierungen.

Das war jetzt zugegebenermaßen viel gespoilert; aber die Serie ist nun auch nicht mehr taufrisch. Die meisten, die diese Kolumne lesen, dürften die Geschichte also schon kennen.

Bei rein oberflächlicher Betrachtung  gehört „Haus des Geldes“ in die Rubrik „Heist“, die von der Google-KI wie folgt definiert wird = ein durchdachter, oft spektakulärer Raubüberfall mit Plan. Bekannte Vertreter dieses Genres sind bspw.: Inside Man, Ocean’s Eleven, The Italian Job, The Town, Heat, Prison Break, Lupin und Kaleidoscope.

Jedoch........

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