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Zivilcourage – Risiko Notwehr

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29.05.2021

Zivilcourage kann auch für echte Helden zu einer Verurteilung führen. Über das Recht auf Notwehr gibt es viele Missverständnisse. Leider auch bei Gerichten. Eine Kolumne von Heinrich Schmitz

Bild von Tom und Nicki Löschner auf Pixabay

Wenn ich meine Rechtskundeschüler frage, ob ich einen anderen Menschen töten darf, ohne dafür bestraft zu werden, kommt in fast allen Fällen die spontane Antwort „Nein, natürlich nicht“. Das ist ja sehr nett von den Schülern, aber es ist falsch. Möglicherweise ist eine Tötung nämlich von der Rechtsordnung gedeckt. Das Zauberwort heißt Notwehr oder in seiner altruistischen Variante Nothilfe. Leider wird das auch von Gerichten nicht immer richtig erkannt. Und das stellt vor allem ein Problem für diejenigen dar, deren Einschreiten von der Politik immer wieder gefordert wird, für Menschen mit Zivilcourage.

Was machen Sie, wenn Sie sehen, dass drei Männer eine Frau in der Straßenbahn anmachen, sie sexistisch beleidigen, sie anfassen? Sie sind alleine und haben keine Chance gegen die drei. Haben Sie den Mut, aufzustehen und die Angreifer aufzufordern die Frau in Ruhe zu lassen? Das wäre womöglich heroisch, womöglich aber auch damit verbunden, dass die drei sich ihnen zuwenden und Ihnen Ihre Zivilcourage aus dem Kopf schlagen. Also keine gute Idee. Nichts tun, ist auch Kacke. Also vielleicht einen Notruf absetzen? Was nun, wenn Sie eine Waffe dabei haben?

Ich erinnere mich noch gut an meine „Gewissensprüfung“. Die musste man in den 70er Jahren ablegen, wenn man den Wehrdienst an der Waffe verweigerte. Da fragte mich der Vorsitzende, wie ich denn in folgendem Fall handeln würde:

Sie gehen mit Ihrer Freundin in den Wald und treffen dort auf eine Rockerbande.

Mein Einwand, Rocker im Wald seien eher selten wurde mit der Begründung abgetan:

Sie haben doch Abitur. Da müssen Sie sich das abstrakt vorstellen können.

Nun gut.

Diese Rocker greifen Ihre Freundin an und wollen die vergewaltigen. Sie haben eine Maschinenpistole dabei.

Ich wies darauf hin, dass ich weder eine Maschinenpistole besäße, noch die Absicht hätte mit einer solchen mit meiner Freundin spazieren zu gehen. Bei einem späteren Besuch in Israel sah ich, dass das durchaus geht und mitunter sinnvoll sein könnte.

Nun stellen Sie sich das einfach einmal vor.

Ja gut hab ich gemacht. Mein weiterer Einwand, die Rocker würden wohl angesichts der Maschinenpistole das Weite suchen, wurde ebenfalls nicht akzeptiert. Ich gab dann an, ich würde die Waffe mal kurz knattern lassen und wenn die Drecksäcke dann nicht von meiner Freundin........

© Die Kolumnisten


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