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Würzburg – Versagen des Systems?

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03.07.2021

Hätte die Tat eines 24-jährigen Mannes in Würzburg verhindert werden können. Hat das System versagt? Eine Kolumne von Heinrich Schmitz

Bild von Patrick Grüterich auf Pixabay

Die Tat hat die Republik erschüttert. Aus heiterem Himmel und ohne irgendeine Beziehung zu den Opfern zu haben, griff ein Mann in Würzburg wahllos Menschen mit einem Messer an und tötete drei von ihnen. Ob die Ursache dieser Tat in einer psychiatrischen Erkrankung liegt oder in einer islamistischen Radikalisierung oder einen ganz anderen Grund hat, kann zur Zeit noch niemand seriös beantworten.

Auffallend ist allerdings, dass der Tatverdächtige bereits mehrfach wegen diverser zumindest seltsamer Verhaltensweisen in der Psychiatrie war und es ein noch laufendes Verfahren auf Einrichtung einer gesetzlichen Betreuung gab.

Da stellt sich zwangsläufig die Frage, ob man diese konkrete Tat nicht hätte verhindern können. Warum konnte der Mann nicht einfach vorher „weggesperrt“ werden?

In Deutschland gibt es eine seit Jahren kontinuierlich ansteigende Zahl von zwangsweisen Unterbringungen in die Psychiatrie. Genaue Zahlen auf Bundesebene scheint es nicht zu geben, zumindest habe ich keine aktuellen Zahlen recherchieren können, was vermutlich damit zusammenhängt, dass es sich um Maßnahmen nach den jeweiligen Ländergesetzen handelt. Aber alleine in NRW waren es z.B. im Jahr 2017 etwa 24500 Unterbringungen.

Dabei muss man sogenannte zivilrechtliche Unterbringungen von den nach dem PsychKG unterscheiden. Bei den meisten zivilrechtlichen, also betreuungsrechtlichen Unterbringungen handelt es sich um die Unterbringung von älteren Menschen, häufig mit Demenz, die in aller Regel nicht mehr alleine zuhause leben können und auch in einem normalen Altenheim nicht mehr bleiben können. Oder es geht um jüngere Menschen, die – häufig aufgrund von Suchterkrankungen – keinerlei Struktur mehr in ihr Leben bekommen. Da geht es fast immer nur um den Schutz der unterzubringenden Person. Die demente Oma gefährdet in der Regel nur sich selbst und die Nerven ihrer Angehörigen und des Pflegepersonals.

Über diese Form der Unterbringung entscheiden die Betreuungsgerichte meist auf Antrag eines Betreuers. Betreuungen werden grob gesagt eingerichtet, wenn Menschen Hilfe brauchen, weil sie ihre Angelegenheit nicht mehr selbst regeln können. Während es früher einmal eine vollständige Entmündigung gab, wird die Betreuung grundsätzlich auf einzelne Wirkungskreise beschränkt, also z.B. die Vermögenssorge, Wohnungsangelegenheiten, Gesundheitsfürsorge oder auch nur den Kontakt mit Behörden. Ob eine Betreuung eingerichtet wird, entscheidet das Betreuungsgericht.

Dazu muss in aller Regel ein psychiatrisches Gutachten eingeholt werden, ob eine Betreuung erforderlich ist. Tja, und da fangen dann die Probleme schon an. Das Gericht beauftragt einen Gutachter, der Gutachter lädt die Betroffene Person ein und wenn die dann nicht kommt, dann dauert es halt etwas länger. Oder die Sache verläuft komplett im Sande. Auch die Qualität der Gutachten ist sehr unterschiedlich. Allerdings wird wohl in der absoluten Zahl der Fälle, so um die 90%, eine beantragte Betreuung befürwortet und auch eingerichtet.

Damit ist natürlich erst der erste Schritt gemacht. Der Betreuer oder die Betreuerin muss Kontakt zu dem Betroffenen aufnehmen und versuchen, mit dem zu kommunizieren. Das klappt manchmal gar nicht gut. Nahezu jeder Betreuer den ich kenne, ist von seinem Betreuten schon einmal angegriffen oder zumindest übelst beleidigt worden. Keine einfache Tätigkeit, die zudem auch noch beschissen vergütet wird. Vielleicht hätte ein guter,........

© Die Kolumnisten


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