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Wunder.Punkt.

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24.04.2021

Über 50 Schauspieler stellten unter dem hashtag #allesdichtmachen vermeintlich kritische Videos bezüglich des Umgangs mit der Corona-Pandemie in den Medien und der Politik ins Netz. Die Blaunen jubeln. Eine Kolumne von Heinrich Schmitz

Bild von Jeyaratnam Caniceus auf Pixabay

Jan Josef Liefers lebt nicht schlecht vom Obulus der Gebührenzahler. Er soll laut Medienberichten für jeden Tatort, in dem er den arroganten, selbstverliebten Professor Börne verkörpert, rund 190000.–€ als Gage erhalten. Dafür muss eine alte Frau lange stricken, aber es sei ihm gegönnt. Liefers alias Börne genießt eine große Popularität. Und da ist es kein Wunder, wenn ein kurzer Videoclip, den der allseits geschätzte Mime gemeinsam mit rund 50 KollegInnen ins Netz stellt, schnelle und große Verbreitung findet. Nun hat Herr Liefers natürlich dasselbe Recht, sich über den Umgang der Medien mit der Coronapandemie lustig zu machen, wie Herr Schwurbler und Frau Querdenkerin, Herr Hinz und Frau Kunz, Dick und Doof oder auch Sie und ich. Der Unterschied ist halt nur, dass eine Meinung sich flinker verbreitet, wenn Sie von einem echten Promi stammt und nicht von Promis unter Palmen, bei denen das Promi vermutlich gar nicht für Prominenz sondern für Promiskuität stehen soll.

Und so bedankt sich Herr Liefers u.a.

bei allen Medien unseres Landes, die seit über einem Jahr unermüdlich verantwortungsvoll und mit klarer Haltung dafür sorgen, dass der Alarm genau da bleibt, wo er hingehört, nämlich ganz, ganz oben“.

Es mag Leute geben, die das für witzig halten. Ich gehöre nicht dazu.

Aber schauen Sie erst einmal selbst, damit Sie wissen, von was ich hier schreibe:

Als ich das Video am 23.4.2021 um 14:05 Uhr bei youtube aufrief, hatte es bereits 647.375 Aufrufe. Während die Einen das Video für gestigen Dünnschiss hielten, waren andere davon total begeistert.

Gut, die Begeisterten waren Leute wie Hans-Georg Maaßen, der die Aktion auf Twitter als »großartig« bezeichnete, die AfD-Bundestagsabgeordnete Joana Cotar, die Liefers und die Aktion als „intelligenten Protest“ feierte, oder auch der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit , der in den anderthalb Minuten gleich ein „Meisterwerk“ sah. Das ist der Hamburger Virologe, der die Warnung von Karl Lauterbach vor einer zweiten Welle als „dysfunktionale Dramatisierung“ bezeichnete und der auch nicht viel von Maskenpflicht hielt. Nun wissen wir, dass wir mittlerweile in der dritten Welle sind.

Weniger begeistert waren einige Schauspielkollegen wie z.B. Elyas M’Barek, der schrieb:

Mit Zynismus ist doch keinem geholfen.

oder Christian Ulmen, der auf Instagramm meinte:

Heute bisschen für Kollegen schämen.

Okay. Man kann so etwas machen. Das blaubraune „WirsinddasVolk“ jubelt den Stars zu. Endlich mal jemand der sagt, was angeblich in dieser Meinungsdiktatur niemand sagen darf. Endlich ein paar Mutige, die den Mainstreammedien den Marsch blasen. Was spricht denn gegen Kritik?

Grundsätzlich gar nichts. Es wäre dann allerdings auch schön, wenn etwas ganz Konkretes kritisiert........

© Die Kolumnisten


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