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Willkommen im Behördendschungel

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27.02.2021

In Deutschland ist Alles geregelt? Ja, aber nicht alle Regeln passen zusammen. Eine Kolumne von Heinrich Schmitz

Bild von Ineedawsomepics auf Pixabay
Wer mit der deutschen Bürokratie zu tun bekommt, der kann was erleben. Das zeigt die Geschichte eines Asylbewerbers, der zwischen die Mühlen von BAMF, Jobcenter, Familiengericht, Jugendamt und Ausländeramt geriet und nun doch so seine Zweifel am hochgelobten Rechtsstaat hat. Da feiert Kafka fröhliche Urständ.

Nennen wir ihn Herrn N. Herr N. kam bereits vor ein paar Jahren als Asylsuchender nach Deutschland. Herr N. kommt aus Afrika. Er floh dort vor Gewalt. Er spricht Englisch, was allerdings wegen seiner ganz besonderen Aussprache zunächst gar nicht auffällt. Zunächst wird Herr N. herzlich willkommen geheißen. Er darf zwar nicht arbeiten, aber das ist nichts Besonderes.

Nach ein paar Monaten lernt er eine deutsche Frau kennen, zieht mit ihr zusammen und bekommt mit ihr ein Kind. Herr N. ist glücklich. Wegen des deutschen Kindes und des Zusammenlebens mit dessen deutscher Mutter darf Herr N. sogar in Deutschland leben bleiben, auch wenn sein Asylgesuch abgelehnt wird. Seine Klage gegen den Ablehnungsbescheid nimmt er zurück, weil er den Asylstatus nicht benötigt, um in Sicherheit zu leben.

Dann gibt es urplötzlich Streit mit der Frau. Die trennt sich von ihm und damit nimmt der Behördenwahnsinn seinen Lauf. Die Frau zieht mit dem Kind ans andere Ende des Landes, gut 400 Kilometer entfernt. Herr N., der sein Kind liebt und auch das gemeinsame Sorgerecht hat, möchte sein Kind aber so oft wie möglich sehen. Aus finanziellen Gründen – Sie erinnern sich, er darf nicht arbeiten – ist das alle zwei Wochen. Er spart jeden Cent, um die Fahrtkosten irgendwie aufzubringen. Herr N. hält die alle Termine pünktlich ein. Die Kontakte verlaufen gut und einvernehmlich. Dann gibt es einen Konflikt um das Umgangsrecht. Die Mutter hat einen neuen Partner, dem der Schwarze, der da alle zwei Wochen auftaucht nicht schmeckt. Plötzlich ist Herr N. nicht mehr der Vater, sondern der Erzeuger. Plötzlich ist er nicht mehr der Mann, mit dem die Mutter freiwillig ein Kind gezeugt hat, sondern der Neger, der aus ihrem Leben verschwinden soll. Vater soll der neue, weiße Mann sein.

Das Jugendamt am Wohnort des Kindes meint, wegen des geringen Alter des Kindes, seien Besuche im zweiwöchigen Abstand zu selten, um eine echte Vater-Kind-Beziehung aufrecht erhalten zu können. Herr N. müsse sein Kind wöchentlich besuchen. Herr N. findet das gut, ist aber nicht in der Lage monatlich 4000 km Fahrt zu finanzieren. Herr N. erhält Leistungen des Jobcenters. Da er sich an alle Regeln seiner neuen Heimat hält, kann er nicht nebenher arbeiten. Dann wäre seine Duldung weg.

Ein Familiengericht am neuen Wohnort der Mutter lädt Herrn N. zum Termin. Der Familienrichter meint, es sei wichtig, dass er in die Nähe seines Kindes ziehe, damit die Beziehung erhalten bleibe. Das findet........

© Die Kolumnisten


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