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Tiersachen

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23.07.2022

Tiere sind keine Menschen, aber sie sind auch keine Sachen. Eine Kolumne von Heinrich Schmitz

Bild von Sven Lachmann auf Pixabay

Bei Diskussionen über Tiere im Recht wird die vermeintliche Kaltherzigkeit von Juristen gerne mit dem verächtlich ausgesprochenen Satz garniert, dass Tiere von diesen als Sachen bezeichnet würden. Das sei grausam, herzlos und falsch.

Falsch ist dabei allerdings eher dieser offenbar unausrottbare Vorwurf gegenüber den Juristen. Juristisch gesehen sind Tiere nämlich keine Sachen.

Wer das nun partout nicht glauben will, der kann gerne einmal einen Blick in das BGB werfen:

§90a BGB

„Tiere sind keine Sachen. Sie werden durch die besonderen Gesetze geschützt. Auf sie sind die für die Sachen geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden, soweit nicht etwas anderes bestimmt ist.“

Etikettenschwindel, wird da der ein oder andere rufen. Wenn Tiere wie Sachen behandelt werden, dann nützt es ja wohl nicht viel, wenn man vorher schreibt, dass es keine Sachen sind. Na ja, so einfach ist es dann doch nicht. Die für Sachen geltende Vorschriften werden ja nicht 1 zu 1, sondern nur „entsprechend“ angewendet. Und auch nur, wenn nichts anderes bestimmt ist. Also eben nicht immer, sondern nur da, wo das sinnvoll ist.

Stellen Sie sich vor, Sie wollen einen Hund kaufen. Natürlich könnte man so idealistisch sein und vor lauter Tierrechtsbegeisterung sagen, dass man Tiere überhaupt nicht kaufen dürfen sollte, weil man ansonsten ein menschenrechtsähnliches Selbstbestimmungsrecht des Hundes und dessen Hundewürde verletzen würde. Dass Tiere keine Sklaven sind, dass überhaupt kein Mensch ein Tier als „Eigentum“ ansehen dürfe und jedes Tier frei bestimmen können soll, wie es sein Leben gestaltet. Wäre aber aus meiner Sicht allerdings ziemlicher Mumpitz.Mein Hund gehört mir – und ich wohl ihm.

Wenn Ihr Hund autonom beschließen sollte, auszuziehen und künftig seinen wölfischen Vorfahren nachzueifern, um in einem Rudel seine Selbstbestimmung zu finden, fänden Sie das vermutlich auch eher befremdlich, zumal er seine Absicht schwerlich korrekt kommunizieren könnte. Vermutlich kommt der eh nach kurzer Zeit zurück, weil es ihm nicht gelingt was Vernünftiges zu fressen zu jagen oder im Supermarkt kein Hundefutter bekommt, weil er vergessen, hat Geld oder wenigstens seine Kreditkarte mitzunehmen.

Bestimmt wären Sie auch nicht damit einverstanden, wenn sich irgendjemand ihren Hund einfach mal mitnimmt und dann nicht einmal als Dieb bestraft werden könnte, weil ein Diebstahl nur an fremden, beweglichen Sachen möglich ist. Okay, ich gebe zu, man könnte natürlich an jeder Stelle im Gesetz, an der von Sachen die Rede ist noch einfügen „oder Tiere, die dauerhaft einvernehmlich mit einem oder mehreren Menschen in einer Wohngemeinschaft leben“ – oder so was in der Art. Aber wer hätte was davon?

Mein Hund Chico liest eher........

© Die Kolumnisten


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