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Metzelder und die Wut der Kollegen

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08.05.2021

Das Urteil gegen Christoph Metzelder – 10 Monate auf Bewährung – ist rechtskräftig. Manchen ist das zu viel Kuscheljustiz. Das Gesetz wurde gerade verschärft. Eine Kolumne von Heinrich Schmitz

Bild von mohamed Hassan auf Pixabay

Egal, ob prominent oder nicht, wer sowas macht: lebenslang weggesperrt.

so meint es Fußballer Max Kruse. Der Kollege Toni Kroos meint:

So ein Urteil ist für diese ganzen kranken Menschen nicht abschreckend. Mir fehlt dafür das Verständnis

und der große Kölner Rechtsphilosoph Lukas Podolski, bekannt für seinen schnellen Drang zum Abschluss, sagte:

Wer sich gegen Kinder versündigt, muss mit aller möglichen Härte des Gesetzes bestraft werden. Noch mal: Es werden Kinder geschädigt! So wie ihre Eltern und Familien! Die Strafe wird dem Vergehen nicht gerecht.

Alles Profis. Aber Fußballprofis.

Die meisten Juraprofis haben an dem Urteil nichts oder jedenfalls nichts besonderes zu meckern. Die sahen auch keinen wirklichen Handlungsbedarf im Bereich der Gesetzgebung. Da aber nun Politiker von der Gunst der Mehrheit der Wähler abhängig sind und nicht von der Minderheit der Strafrechtsexperten, wurde schon vor einiger Zeit an der Gesetzesschraube gedreht.

Nun hat auch der Bundesrat dem neuen Gesetz zugestimmt und es wird am 1.1.2022 in Kraft treten.

Danach gilt dann folgendes:

Der Grundtatbestand des sexuellen Missbrauchs von Kindern wird künftig ein Verbrechen sein mit einem Strafrahmen von einem Jahr bis zu 15 Jahren Freiheitsstrafe – das war bisher als Vergehen mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bedroht.

Verbreitung, Besitz und Besitzverschaffung von Kinderpornografie werden zum Verbrechen hochgestuft. Für die Verbreitung von Kinderpornografie sieht das Gesetz Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren vor – bisher drei Monate bis fünf Jahre.

Der Besitz und die Besitzverschaffung können künftig mit Freiheitsstrafen von einem Jahr bis zu fünf Jahren geahndet werden – bisher bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Das gewerbs- und bandenmäßige Verbreiten kann künftig mit Freiheitsstrafe von zwei bis 15 Jahren bestraft werden – bisher sechs Monate bis zehn Jahre.

Das ist zwar noch eine ganze Ecke von der Lebenslang-Forderung von Max Kruse für den Besitz von Kinderpornos entfernt, aber immerhin. Der Staat schreibt neue Strafen auf Papier.

Und wer im magischen Denken verhaftet ist, mag sogar daran glauben, dass deshalb künftig ein potentieller Täter davon ablässt, sich strafbar zu machen.

Die........

© Die Kolumnisten


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